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Die Politisierung der Oper im 19. Jahrhundert

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Maria Birbili

Gegenstand dieser Studie sind die Auswirkungen der Französischen Revolution auf die Oper des 19. Jahrhunderts. Unter Berücksichtigung der Oper der französischen Revolutionszeit, der neapolitanischen Oper unter französischer Herrschaft und der historischen Opern Rossinis für Paris wird die Grand opéra als Produkt eines Austauschprozesses zwischen Pariser Inszenierungstraditionen und italienischer musikalischer Formgebung interpretiert. Anhand neu aufgefundener Quellen läßt diese Studie eine zentrale Epoche der Operngeschichte des 19. Jahrhunderts in einem neuen Licht erscheinen, indem die häufig aggressive Dramaturgie der Grand opéra wie auch des italienischen Melodramma des Risorgimento als Konsequenz der Schreckenserfahrungen der Französischen Revolution gedeutet wird.
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12. Das Freundschaftsduett

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Das Freundschaftsduett

Der erinnerungsmotivische Ansatz des Duetts Carlos-Posa aus dem II. Akt von Verdis Don Carlos innerhalb der gesamten Struktur des Werks besitzt keineswegs die dramaturgische Stringenz sowie die gesamttheatralisch und ideell bestechende Funktion des Luther-Chorals in Meyerbeers Les Huguenots oder die psychologisch tief ins Unbewußte des Protagonisten eindringende musikalisch-dramaturgische Eigenschaft der Traumerzählung Jeans in Le Prophète, mit dem antizipierenden Zitat des Krönungsmarsches und des Kinderchors. Im Grunde bleibt in der Dramaturgie von Don Carlos nicht ganz nachvollziehbar, warum Verdi ausgerechnet dieses Motiv aus dem Duett Carlos-Posa, das immerhin die Chiffre einer unschuldig gebliebenen Freundschaft und eines mit jugendhaftem Elan praktizierten politischen Aktivismus ist, zum Erinnerungsmotiv für seine Oper machte, wenn nicht, um den politischen und privaten Idealismus der Titelfigur zu unterstreichen. Überdies besitzt dieses Freundschaftsmotiv ebenfalls eine politisierende Qualität, die im Verlauf der Oper stets als akustische Chiffre des politischen Kampfes der progressiv gearteten neuen Generation am spanischen Hof gegen die hartnäckige Resistenz bzw. Renitenz des Königs und des Großinquisitors fungiert; ein Kampf, der schließlich im Schluß des IV. Akts der Oper zur durch den Inquisitor veranlaßten Ermordung Posas kulminiert. Diese politisierende Qualität des Motivs sowie des Duetts entstand keineswegs in einem Vakuum, durch Verdis plötzliche Inspiration, sondern sie ist eng verbunden mit zeitgenössischen Vorläufern wie dem Freundschaftsmarschduett zwischen dem Tenor Dom Sébastien und dem Bariton Camoëns im III. Akt von Donizettis politisierender und historisch parallel mit...

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