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Die Politisierung der Oper im 19. Jahrhundert

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Maria Birbili

Gegenstand dieser Studie sind die Auswirkungen der Französischen Revolution auf die Oper des 19. Jahrhunderts. Unter Berücksichtigung der Oper der französischen Revolutionszeit, der neapolitanischen Oper unter französischer Herrschaft und der historischen Opern Rossinis für Paris wird die Grand opéra als Produkt eines Austauschprozesses zwischen Pariser Inszenierungstraditionen und italienischer musikalischer Formgebung interpretiert. Anhand neu aufgefundener Quellen läßt diese Studie eine zentrale Epoche der Operngeschichte des 19. Jahrhunderts in einem neuen Licht erscheinen, indem die häufig aggressive Dramaturgie der Grand opéra wie auch des italienischen Melodramma des Risorgimento als Konsequenz der Schreckenserfahrungen der Französischen Revolution gedeutet wird.
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13. Das gestörte Liebesduett

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Das gestörte Liebesduett

Niemals vor Les Huguenots und diesem einzigartigen Duett war eine Liebesbeziehung in der Weise dargestellt worden, daß ihr Scheitern zugleich ihre Voraussetzung bedeutete, nämlich im Paradox eines Gefühls, dessen Verheißung mit der Erkenntnis der Unmöglichkeit seiner Erfüllung zusammenfällt. In der tödlichen Konfrontation des Individuums mit den Mächten der Geschichte, wie sie hier in ihrer ganzen unerbittlichen Folgerichtigkeit aufgezeigt wird, zeichnen sich die Konturen eines neuen, moderneren Menschenbildes ab: psychologisch schillernder, und eben darum von schärferer Realistik geprägt als dasjenige der älteren Oper. Für das Musiktheater des 19. Jahrhunderts bedeutete die Darstellung der Gefühlsparadoxie zweier Liebender im Grand Duo der Huguenots eine Epochenwende mit unabsehbaren Folgen, nicht nur für die Entwicklung des Duetts […], sondern auch für die Oper insgesamt, deren Affektdramaturgie durch diese große Szene eine zeitgemäße ästhetische Legitimierung fand.565

In seiner überzeugenden, die Szene mit großer Sensibilität auslegenden Besprechung des Liebesduetts aus dem IV. Akt von Les Huguenots verweist Sieghart Döhring auf die pessimistisch geprägte Auffassung Meyerbeers, der innerhalb eines vom verheerenden historischen Ereignis der Bartholomäusnacht zuerst gestörten und anschließend zerstörten Liebesduetts die Vernichtung der privaten Existenz durch die politische kollektive Katastrophe vorführt. Diese politisierende Botschaft der Werkdramaturgie von Les Huguenots zeigt auf anschauliche Weise daß, wie es im Rahmen der vorliegenden Untersuchung mehrmals besprochen wurde, innerhalb einer politischen »opera senza amore« das private...

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