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Shoah und Dialog bei Primo Levi und Ruth Klüger

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Aglaia Bianchi

Primo Levi und Ruth Klüger, zwei der wichtigsten Stimmen der Shoah-Literatur, unterscheiden sich stark in ihrer Persönlichkeit, ihrer Bildung und ihren Schreibbedingungen. Beide greifen jedoch auf den Dialog zurück, um sich persönlich mit der Shoah auseinanderzusetzen, sich in dieser Literatur zu verorten und um die Leser zu einem bewussteren Umgang mit der Shoah anzuregen. Erstmalig untersucht diese Studie systematisch die spezifische Funktion, die der Dialog im Leben und Werk beider Autoren aufweist und zeigt, wie er eine einheitliche Strategie der Auseinandersetzung mit der Shoah konstituiert, und somit eine bewusstere Auseinandersetzung damit, sowohl auf privater als auch auf öffentlicher Ebene, anregt.
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3. Der Dialog im Kontext der Shoah-Literatur

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Sowohl Levi als auch Klüger wählen einen dialogischen Ansatz nicht nur für die eigene und die öffentliche Auseinandersetzung, sondern auch, um sich im Kontext der Shoah-Literatur mit den anderen Autoren in Dialog zu setzen:

Klüger versteht ihre Autobiographie als literarische Antwort auf bereits publizierte Zeugnisse sowie als Einmischung, Fortschreibung und Kommentierung des längst etablierten Holocaust-Diskurses. Immer wieder nimmt sie direkt Bezug auf Werke und Autoren des entsprechenden literarischen Kanons wie beispielsweise Primo Levi […] oder auf literaturtheoretische Debatten, wie die von Adorno ausgelöste.186

Im Unterschied zur Mehrheit der Überlebenden begnügen sich Levi und Klüger nicht damit, Zeugnis über die Shoah abzulegen, sondern sie gehen einen entscheidenden Schritt weiter, indem sie eine tiefergehende und kritische Reflexion anstreben. Diese Reflexion über die Shoah ist bei Klüger in ihre Erinnerungen integriert, während sie bei Levi vor allem in der in den Achtziger Jahren erschienenen Sammlung I sommersi e i salvati erfolgt, denn seine Erinnerungen wurden noch sehr zeitnah zum Geschehen selbst veröffentlicht. Beide Autoren führen ihre Reflexion über die Shoah außerdem in zahlreichen Aufsätzen und Artikeln weiter, wobei Klüger sich eher an Literaturwissenschaftler, Levi sich eher an das breite Publikum richtet. Ihre Reflexion erfolgt somit nicht im ‚Elfenbeinturm‘, sondern sie nehmen ständig Bezug auf bestehende Äußerungen im Diskurs der Vergangenheitsbewältigung und insbesondere in der Shoah-Literatur. Dabei werden vor allem die wichtigsten Fragestellungen besprochen, die aus dem besonderen Charakter dieser Literatur entstehen, wie...

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