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Shoah und Dialog bei Primo Levi und Ruth Klüger

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Aglaia Bianchi

Primo Levi und Ruth Klüger, zwei der wichtigsten Stimmen der Shoah-Literatur, unterscheiden sich stark in ihrer Persönlichkeit, ihrer Bildung und ihren Schreibbedingungen. Beide greifen jedoch auf den Dialog zurück, um sich persönlich mit der Shoah auseinanderzusetzen, sich in dieser Literatur zu verorten und um die Leser zu einem bewussteren Umgang mit der Shoah anzuregen. Erstmalig untersucht diese Studie systematisch die spezifische Funktion, die der Dialog im Leben und Werk beider Autoren aufweist und zeigt, wie er eine einheitliche Strategie der Auseinandersetzung mit der Shoah konstituiert, und somit eine bewusstere Auseinandersetzung damit, sowohl auf privater als auch auf öffentlicher Ebene, anregt.
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Schlussbetrachtungen: Levi, Klüger und der Dialog

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Die Analyse des Dialogs bei Levi und Klüger zeigt, dass der Dialog für beide Autoren eine einheitliche Strategie der Auseinandersetzung mit der Shoah bildet. Sie greifen immer wieder auf den Dialog zurück, um sich auf diese Weise der Besonderheiten und Probleme im Umgang mit der Shoah anzunehmen. Schon in den Jahren der Gefangenschaft in den KZs hilft eine dialogische Haltung den Autoren, zunächst die Funktionsweise des Lagerlebens zu verstehen, und dadurch das eigene Überleben zu sichern, und dann auch auf einer geistigen Ebene, durch das Gespräch mit den anderen Häftlingen und durch den Dialog mit der Literatur, das eigene Menschsein zu bewahren. Aber auch später ist der Dialog wichtig, um das Geschehene verständlicher zu machen. Die Überlebenden fragen sich, warum die Shoah stattgefunden hat, wie sie überhaupt im zivilisierten Europa des zwanzigsten Jahrhunderts hat stattfinden können. Klüger und vor allem Levi versuchen, durch den Dialog Antworten auf diese Fragen zu finden. Der Versuch zu begreifen wird im Dialog mit den Deutschen am deutlichsten, der sowohl bei Levi als auch bei Klüger sehr fruchtbar ist und zur Erweiterung der Kenntnisse beider Gesprächspartner führt, wie es dem Dialog eigen ist. Die Überlebenden können dank des Dialogs versuchen, die traumatischen Erlebnisse zu rationalisieren und stückweise zu verstehen, und die Deutschen können dadurch zu einer Auseinandersetzung mit der Shoah gelangen, die sie sonst gerne vermeiden oder der sie sich andernfalls höchstens innerhalb bestimmter, vereinfachender Schemata nähern....

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