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Die Gefäßchirurgie im Ersten Weltkrieg

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Sabine Eckhardt

Bereits Ende des 19. Jahrhunderts hatte man sich mit allen heute gängigen Methoden der Gefäßchirurgie auseinandergesetzt und in diesem Bereich der Chirurgie binnen weniger Jahre wichtige Erkenntnisse gewonnen. Gemäß der oftmals aufgestellten These, ein Krieg bringe für die Medizin, speziell die Chirurgie, Fortschritte, bot sich den Medizinern mit Beginn des Ersten Weltkrieges die Gelegenheit, dieses Wissen zu festigen und zu erweitern. Zeitgenössische Berichte damals tätiger Kriegschirurgen stellen jedoch deutlich die widrigen Bedingungen an der Front dar, die es nahezu unmöglich machten, die bisherigen Erkenntnisse erfolgreich umzusetzen, geschweige denn Fortschritte in diesem komplexen Bereich der Chirurgie zu erzielen.
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6. Exkurs zum Selbstverständnis der Ärzte an den Fronten des Ersten Weltkrieges

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Im Rahmen der vorliegenden Dissertation sind viele Chirurgen erwähnt worden, die an den Fronten des Ersten Weltkrieges dienten und ihre Erkenntnisse und Erfahrungen in der Münchener Medizinischen Wochenschrift publizierten. Hinsichtlich der Fragestellung, inwiefern die Darstellungen der Mediziner in diesem öffentlichen Blatt mit ihren persönlichen Ansichten übereinstimmten, wäre es interessant, nähere Auskünfte über deren Leben, Wirken und Selbstverständnis zu erhalten. Zu den meisten im Ersten Weltkrieg aktiven Medizinern konnte bisher lediglich die allgemeine Feststellung getroffen werden, dass sie in der Öffentlichkeit sehr kriegseuphorisch auftraten. Leider waren keine weitergehenden Informationen zu ermitteln, wie sie persönlich und privat dem Krieg und ihrer ärztlichen Tätigkeit im Rahmen des Ersten Weltkrieges gegenüberstanden. Singuläre Einblicke erlauben allerdings vom medizinischen Personal verfasste Feldpostbriefe, aus denen im Folgenden einige Passagen zitiert seien.

„Heute morgen von 9.00 bis 11.30 Uhr war ich im Kriegslazarett hier und habe bei einer Operation unseres beratenden Chirurgen zugesehen. Wenn ich so operieren würde in Jena […], dann würfe [man] mich zum Tempel hinaus. Und einen Studenten mit solch mangelhaften anatomischen Kenntnissen würde man im Examen durchfallen lassen. Ich habe den armen jungen Menschen bedauert, der dort unter dem Messer lag. Hoffentlich hat er noch Glück. Als die Operation fast zweieinhalb Stunden gedauert hatte und noch kein Ende abzusehen war, bin ich fortgegangen. Du musst nicht glauben Lieb, dass ich vielleicht aus Missgunst oder weil ich nichts zu tun habe, so abfällig und scharf urteile. Das habe...

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