Show Less
Restricted access

Wilhelm Weitling (1808–1871)

Eine politische Biographie- Teil 1 und Teil 2

Series:

Waltraud Seidel-Höppner

Wilhelm Christian Weitling zählte zu den bedeutendsten deutschen Frühsozialisten und Organisatoren der frühproletarischen Bewegung. Diese politische Biographie befasst sich mit dem Leben Weitlings von der Kindheit über die Ausbildung bis zum revolutionären Demokraten und zu seinen politischen Aktivitäten. Auch seine wichtigsten politischen Theorien und Werke werden vorgestellt und interpretiert. Weitling forderte eine soziale Republik, die allen Menschen Arbeit und soziale Sicherheit gewähren sollte. Seine scharfsinnige Sozialkritik orientierte sich am Urchristentum, und er betrachtete die demokratische Partei zur Rettung der Revolution 1848/49 als unverzichtbar. 1849 schloss er seine Vereine der Arbeiterverbrüderung an und emigrierte dann in die USA, wo er 1871 starb.
Show Summary Details
Restricted access

VIII. Im Brüsseler Korrespondenzkomitee 1846

Extract

VIII.  Im Brüsseler Korrespondenzkomitee 1846

»Das größte Hindernis eines Unternehmens ist die Uneinigkeit seiner Mitglieder […] Wir müssen vor allem Neid und Ehrgeiz, Mißtrauen und Zwietracht aus unserer Mitte zu verbannen oder doch wenigstens darin unschädlich zu machen suchen. […] denn wir sind leider angesteckt von den Leidenschaften der Gesellschaft, die uns erzogen und in ihre Netze verstrickt hat.«

(Weitling, Evangelium, S. 175 und 182.)

Solche Worte findet Weitling im Schlußteil der Londoner Fassung seines Evangeliums für die bedrückenden Erfahrungen der letzten Jahre. Erstmals erwähnt er hier unter den schwer kontrollierbaren Leidenschaften, die jeder Pionier einer besseren Gesellschaft schon jetzt in seiner Brust bekämpfen müsse, Herrschsucht, und unter die unverzeihlichen Verhaltensweisen reiht er den Tatbestand des Rufmords. In einem Register erfaßt er Verhaltensmuster zwiegesichtiger Gernegroße, die nach unten treten und nach oben buckeln: »lügen, betrügen, verleumden, heucheln, schmeicheln, kriechen, verraten, intrigieren, um dadurch anderen an ihrem Leben, ihren Existenzmitteln, ihrem guten Ruf, ihrem Fortkommen u. dgl. zu schaden«. Das alles subsumiert er unter Falschheit: »Falschheit soll nicht verziehen werden; drum muß ein solches Subjekt aus der Gemeinschaft verbannt werden«, sobald sie an den Tag kommt.1 In London und anderswo wird sein bitterer Abschiedsgruß verstanden – und nicht verziehen. Er selbst schreibt zur Londoner Zeit nur: »Nachdem ich 17 Monate in London gelebt, übersiedelte ich nach Brüssel.2 Über diese Hunderttausendeinwohnerstadt mit ihrer großen deutschen Kolonie, die seit dem Zeitalter der Aufkl...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.