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Wilhelm Weitling (1808–1871)

Eine politische Biographie- Teil 1 und Teil 2

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Waltraud Seidel-Höppner

Wilhelm Christian Weitling zählte zu den bedeutendsten deutschen Frühsozialisten und Organisatoren der frühproletarischen Bewegung. Diese politische Biographie befasst sich mit dem Leben Weitlings von der Kindheit über die Ausbildung bis zum revolutionären Demokraten und zu seinen politischen Aktivitäten. Auch seine wichtigsten politischen Theorien und Werke werden vorgestellt und interpretiert. Weitling forderte eine soziale Republik, die allen Menschen Arbeit und soziale Sicherheit gewähren sollte. Seine scharfsinnige Sozialkritik orientierte sich am Urchristentum, und er betrachtete die demokratische Partei zur Rettung der Revolution 1848/49 als unverzichtbar. 1849 schloss er seine Vereine der Arbeiterverbrüderung an und emigrierte dann in die USA, wo er 1871 starb.
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Klippen der Weitling-Forschung

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Mit Wilhelm Weitling hat für mich vieles begonnen. Die Richtung meines Forschens hat er mitbestimmt. Nach dem Krieg, in einer Phase hoffnungsvollen Aufbruchs, stieß ich auf ihn. Nach allem, was in der ersten Hälfte meines Jahrhunderts die Welt so verheert hatte, daß man sein Deutschsein nicht mehr ohne Scham ertrug, las sich vieles von dem, was er schrieb, wie ein Vermächtnis. Vom großen Werk der Wiedergeburt der Menschheit sprach er und drängte: Den Anfang müssen wir machen und nicht beim Anblick so vieler Schwierigkeiten und Hindernisse den Mut verlieren. Ein Familienbund der Menschheit schwebte ihm vor, ohne Hunger, Demütigung, Völkerhaß und Morden. Meine Generation, den braunen Abgründen soeben entronnen, wollte nichts anderes: Das neue Leben muß anders werden, sangen wir. Und wir meinten, was wir sangen.

Für sein Sinnen und Trachten fand der Magdeburger Schneidergeselle Worte, die uns, inmitten geschändeter Ideale und unsäglicher Verbrechen längst abhanden gekommen waren. Seine Mahnung zur Toleranz beschwor eine Kultur, die sich in den soeben durchlebten barbarischen zwölf Jahren fast exotisch ausnahm. Schon im Kindesalter hatte man uns eingeimpft, daß große Männer Geschichte machen. Kaum erwachsen, gewahrten wir schaudernd, daß »großen« Männern in Uniform zwölf Jahre genügen, um einen ganzen Kontinent zu verwüsten. Im Dunstkreis dieses elitären Geschichtsdenkens mutete Weitlings Botschaft, daß das arbeitende Volk immer und überall die rauhe Bahn ebnen muß, ehe die freie Welt sie betritt,...

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