Show Less
Restricted access

Die katholische Kirche Polens und die «Wiedergewonnenen Gebiete» 1945–1948

2 Bände

Series:

Robert Zurek

Im Jahre 1945 wurden die deutschen katholischen Kirchenstrukturen östlich der Oder und Neiße durch eine vorläufige polnische Kirchenverwaltung ersetzt. Das katholische Kirchenleben in den ehemaligen deutschen Ostgebieten wurde innerhalb von wenigen Jahren fast vollständig polonisiert. Diese Vorgänge stellen seit Jahrzehnten ein sehr umstrittenes, aber immer noch schwach erforschtes Kapitel der deutsch-polnischen Beziehungsgeschichte dar. In der vorliegenden Monographie werden sie zum ersten Mal umfassend rekonstruiert und analysiert.
Show Summary Details
Restricted access

4. Die Stunde null: Polonisierung der Kirchenstrukturen (August 1945)

Extract

Am 11. Juli 1945 verließ der Primas Polens, August Kardinal Hlond, Rom, um nach sechsjährigem Exil nach Polen zurückzukehren.1 Nach einer neuntägigen Reise gelangte er am 20. Juli zu seinem Amtssitz in Posen.2 Da die Residenz des Primas durch den Krieg zerstört worden war, hielt er sich zunächst in der Wohnung seines Weihbischofs Walenty Dymek auf. In den nächsten Tagen

orientierte sich der Primas verhältnismäßig schnell über die gesellschaftliche und politische Situation des Landes bzw. verifizierte die schon vorhandenen Informationen zu diesem Thema. Er unternahm auch unerlässliche Schritte, um die kirchlichen Organisationsstrukturen auf polnischem Boden zu ordnen.3

Bei dieser Ordnung wurde Hlond auch im Hinblick auf die neuen Westgebiete aktiv. Innerhalb von drei bis vier Wochen nach seiner Ankunft traf er alle Entscheidungen, die die kirchliche Zukunft der Oder-Neiße-Gebiete bestimmen sollten, u. a. über die Ernennung polnischer Apostolischer Administratoren und über die Schaffung von Apostolischen Administraturen, die mit den Territorien der bisherigen Diözesen nicht übereinstimmten. Sowohl diese Vorgänge selbst, als auch ihre Chronologie, sind nur teilweise rekonstruierbar.4

← 217 | 218 → Bereits zwei Tage nach der Ankunft in Posen, am 22. Juli, erklärte Hlond dem in Großpolen weilenden Rektor des Polnischen Kollegiums in Rom, Andrzej Wronka, er sei als Apostolischer Administrator der bislang vom deutschen Bischof Carl Maria Splett verwalteten Diözese Kulm vorgesehen. Wohlgemerkt ging es um eine polnische Vorkriegsdiözese, nicht um einen Sprengel in den Oder-Neiße-Gebieten. Zwei Tage...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.