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Die katholische Kirche Polens und die «Wiedergewonnenen Gebiete» 1945–1948

2 Bände

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Robert Zurek

Im Jahre 1945 wurden die deutschen katholischen Kirchenstrukturen östlich der Oder und Neiße durch eine vorläufige polnische Kirchenverwaltung ersetzt. Das katholische Kirchenleben in den ehemaligen deutschen Ostgebieten wurde innerhalb von wenigen Jahren fast vollständig polonisiert. Diese Vorgänge stellen seit Jahrzehnten ein sehr umstrittenes, aber immer noch schwach erforschtes Kapitel der deutsch-polnischen Beziehungsgeschichte dar. In der vorliegenden Monographie werden sie zum ersten Mal umfassend rekonstruiert und analysiert.
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4.3. Motive des Kardinals August Hlond

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Ehe ein endgültiges Urteil darüber gefällt wird, ob bzw. inwiefern Hlond seine Vollmachten überschritt, muss überprüft werden, inwiefern die eben vorgestellten Überlegungen mit der Einschränkung der Sondervollmachten auf vakante Diözesen in Einklang zu bringen sind. Es sei noch einmal wiederholt: Mit Ausnahme Ermlands betrafen die Handlungen des Kardinals ausschließlich Kirchenbezirke, deren Jurisdiktionsträger an ihrer Amtsausübung verhindert waren. Da der Vatikan in solchen Sprengeln normalerweise Apostolische Administratoren einsetzte, handelte der Primas im Einklang mit der Praxis der Kirche. Sonderbar war daher nicht seine Vorgehensweise, sondern die realitätsferne Einschränkung der Vollmachten.

Eine andere Schwierigkeit ist mit der Vorgehensweise Hlonds gegenüber dem Bischof von Ermland verbunden. Anstatt zu akzeptieren, dass die Diözese weder vakant war, noch einem verhinderten Jurisdiktionsträger unterstand, entschied sich der Kardinal dafür, die Vakanz durch einen Jurisdiktionsverzicht Kallers zu erwirken, wobei er dem Bischof versicherte, der Verzicht wäre vom Papst erwünscht. Im Hinblick auf← 327 | 328 → das Dekret vom 8. Juli 1945 ist diese Vorgehensweise nicht nur als eine eindeutige Überschreitung der Vollmachten, sondern auch als eine eklatante Missachtung der kirchlichen Disziplin und Verletzung der christlichen Ethik zu bewerten. Es ist jedoch wiederum die Frage berechtigt, ob man wirklich ohne weiteres annehmen kann, dass Hlond eine so weitgehende Verfehlung hätte begehen können und wollen. Der Kardinal musste sich der Konsequenzen einer derart hinterlistigen Machenschaft bewusst sein, es war klar, dass sie sowohl ihn, als auch die von ihm geleitete...

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