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Poetologie der Erinnerung

«Lisbon Story» von Wim Wenders

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Lena Wetenkamp

Im Zentrum des Buches steht der Film Lisbon Story (1994) des Regisseurs Wim Wenders. Der Film wird als eine Darstellung des Gedächtnisdiskurses gelesen und in den Zusammenhang von Intertextualität und Gedächtnis gebracht. Das Thema Erinnerung wird in Lisbon Story über Zitate, durch Farbgestaltung, Geräusche und Medialität motivisch und thematisch in den Vordergrund gestellt. Die Studie weist die in den Film eingelagerten Referenzen an die Filmgeschichte – insbesondere die Regisseure Dziga Vertov und Manoel de Oliveira – und die intertextuellen Bezüge auf das Werk des portugiesischen Dichters Fernando Pessoa nach. Zusätzlich zeigt sie, dass in Lisbon Story die Stadt Lissabon als Erinnerungsraum inszeniert wird, der seine Geschichte erzählen will.
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1. Film und Erinnerung

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„Zeit! Vergangenheit! Da ist etwas – eine Stimme, ein Gesang, ein gelegentlicher Duft gibt meiner Seele den Vorhang frei auf meine Erinnerungen.“7

Über den Bildschirm eines alten Film-Sichtplatzes laufen sepiafarbene Bilder, die mit einer antiquarischen Kurbelkamera aufgenommen wurden. Sie zeigen einen Aquädukt, der sich über ein Tal spannt. In der nächsten Einstellung sehen wir, wie in eben diesem Tal neben die alte Wasserleitung eine neue Autobahn gebaut wird. Kurz darauf wird das gleiche Tal mit einer kleinen Videokamera aus den Gängen des Aquädukts gefilmt. Wir sehen, wie neben der einen Autobahn noch eine weitere entsteht. Im Blickfeld der Videokamera taucht nun ein Mann auf, der zunächst sein Mikrophon in das Tal richtet und dann die unten liegenden Häuser durch seinen Feldstecher vergrößert betrachtet. Dazu erfahren wir von dem kleinen Jungen, der zuvor die Videokamera bediente, dass diese Häuser genau jetzt gefilmt werden müssen, da sie durch den Bau der neuen Autobahn verschwänden, und mit ihnen auch die Geschichten, die sie bisher verbargen. Sie kommen nun durch den Abriss ans Licht.8

Womit haben wir es in dieser kleinen Szene aus Wim Wenders’ Film Lisbon Story zu tun? Zunächst werden hier in kurzer Abfolge verschiedene technische Aufnahmemedien wie die Videokamera, die Bilder der alten Kurbelkamera, das Aufnahmegerät für die Aufzeichnung der Töne präsentiert. Sie alle dienen dazu, etwas zu speichern, also für die Zukunft aufzubewahren. Hier sollen, wie der Junge...

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