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Kirche und Aufklärung zwischen Tradition und Aufbruch

Friedhelm Zubke

Der überwiegende Teil der Evangelischen und Katholischen Kirche ist in Formen der Tradition gefangen. Diese rückwärtsgewandte kirchliche Verkündigung erreicht viele Menschen des 21. Jahrhunderts mit ihren Erfahrungen nicht mehr. Auf Religionskritik der Aufklärung hat die Kirche ebenso halbherzig reagiert wie auf Initiativgruppen, die seit Jahrzehnten für eine Veränderung eintreten. Die Institution Kirche muss ihre Funktion als Teil der Gesellschaft annehmen. Diese Themenstellungen greift das Buch auf. Es drängt auf die Umsetzung aktueller Forderungen der Aufklärung und tritt dafür ein, dass Aufklärung zu einem Bestandteil kirchlicher Arbeit wird. Kirche muss prüfen, inwieweit Entwürfe zur gesellschaftlichen Erneuerung und Weiterentwicklung auch von ihr umzusetzen sind.
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Einführung

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„Kirche und Aufklärung zwischen Tradition und Aufbruch“ bezieht sich auf zwei Sachverhalte: auf Ansprüche der Aufklärung des 18. Jahrhunderts an die Institution Kirche und auf Erwartungen an sie, die sich daraus ergeben, dass Aufklärung ein nicht abgeschlossener Prozess bleibt. In der Übertragung auf Tätigkeiten erhält das Verb aufbrechen die Bedeutung von sich auf den Weg machen. Der Entschluss, aufzubrechen zu etwas Neuem setzt Wagnis voraus. Das Aufbrechen fügt dem Vertrauten etwas hinzu, es erweitert das Überkommene. Hiernach folgt aus einer Behinderung von Aufbruch Stillstand. Stagnieren bezog sich ursprünglich auf ein stehendes Gewässer, das nicht mehr abfließen kann. Das ständige Fließen, das einen Organismus am Leben erhält, hebt Stagnation auf. Tradition hat etymologisch die Bedeutung von „übergeben“, „überreichen“, also weitergeben an nachfolgende Generationen. Kirche hat ihre Tradition zu wahren, weil sie von ihr das tragende Fundament erhält. Geschichtlich gewordene Tradition muss Kirche aber gleichzeitig um aktuelle Fragen erweitern, weil sie sonst ihre eigene Gegenwart verpasst.

Die Kritik der Aufklärung wird daraufhin befragt, was zeitübergreifend als Forderung andauert. Aus diesem Befund wird gefolgert, was als uneingelöst anzusehen ist und demzufolge als Herausforderung an die Gegenwart fortbesteht. Es stellt sich dann die Frage nach dem Geist der Aufklärung als fester Bestandteil von Verkündigung im weiten Verständnis, also jeder Form der Weitergabe der auf Jesus zurückgehenden Botschaft. Aufklärung im Sinne von Auskunftgeben, von umfassend informieren und teilnehmen lassen am Kenntnisstand...

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