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Kinder- und Jugendliteraturforschung international

Ansichten und Aussichten- Festschrift für Hans-Heino Ewers

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Gabriele von Glasenapp, Ute Dettmar and Bernd Dolle-Weinkauff

32 Autorinnen und Autoren reflektieren die internationale Verankerung, die theoretisch-methodische Ausdifferenzierung und das Forschungsinteresse an Geschichte und Gegenwart der Kinder- und Jugendliteratur. Sie beschäftigen sich in vier Schwerpunkten mit der Theorie, der Übersetzungs- und Rezeptionsgeschichte, mit kinder- und jugendliterarischen Medien sowie in zahlreichen Einzelstudien mit Gattungen, Formen und Themen historischer wie aktueller Kinder- und Jugendliteratur und -medien. Der Band ist Hans-Heino Ewers gewidmet, der in seiner über 25-jährigen Lehr- und Forschungstätigkeit maßgeblich zur theoretisch-systematischen Fundierung dieser vergleichsweise jungen Fachdisziplin beigetragen und wesentliche Impulse für die weitere Forschung gegeben hat.
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Zwischen Trauma und Spiel: Kinderfiguren, Kinderszenen und Kindheit im Werk Annettes von Droste-Hülshoff: Rüdiger Steinlein

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Die literarische Inszenierung von Kinderfiguren und im weiteren Sinne von Kindheit als Ensemble der jeweiligen Umstände und Gegebenheiten von Kinderleben steht seit der Frühromantik im Zeichen idealisierender geschichtsphilosophisch-ästhetischer Anschauungen: Kindheit ist Symbol des Goldenen Zeitalters, das es in der Öde und Entfremdung der Gegenwart (also der Zeit um bzw. ab 1800) wieder zu gewinnen gilt. Ihren Höhepunkt erreicht diese Kindheitsmythologisierung mit entsprechenden Kinderfiguren vom Typus „göttliches Kind“ dann bei Novalis oder Tieck.

Neben dieser Form der Kindheitsinszenierung existiert aber auch eine düsterere Variante in anderen, z. T. recht prominenten, literarischen Werken seit dem ausgehenden 18. Jahrhundert. Sie gestalten in ihren radikalsten Ausprägungen Kindheit als gefährdeten Lebensabschnitt.1 In diesen Texten wird in z.T. radikalem a-pädagogischem psychologischem Realismus Kindheit als Phase tiefgreifender Ängste und Traumatisierungen vergegenwärtigt. Nach Moritz’ Anton Reiser dürfte in der Literatur der späteren Romantik E.T.A. Hoffmanns Nachtstück Der Sandmann eines der eindrucksvollsten Beispiele solcher literarischer Thematisierung von Kindheit als Angstzustand mit weiter reichenden Folgen bis ins Erwachsenenleben hinein bilden – die Kindheitsgeschichte des Helden Nathanael.

Sie alle sind der ‚Kindheitsliteratur’ (Ernst Seibert) zuzurechnen, im Gegensatz zur intentionalen Kinderliteratur, die in hohem Maße von Kinderfiguren (als Helden) und Bildern von Kindheit lebt. Erstere umfasst Texte, in denen Kinder eine Rolle spielen bzw. Kindheit dargestellt wird, die aber nicht an ein kindliches Lesepublikum adressiert sind. Bekannte Beispiele wären die bereits erwähnte Kindheitsgeschichte in Karl Philipp Moritz’ Roman Anton Reiser (1785-1790) oder Thomas...

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