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Kinder- und Jugendliteraturforschung international

Ansichten und Aussichten- Festschrift für Hans-Heino Ewers

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Edited By Gabriele von Glasenapp, Ute Dettmar and Bernd Dolle-Weinkauff

32 Autorinnen und Autoren reflektieren die internationale Verankerung, die theoretisch-methodische Ausdifferenzierung und das Forschungsinteresse an Geschichte und Gegenwart der Kinder- und Jugendliteratur. Sie beschäftigen sich in vier Schwerpunkten mit der Theorie, der Übersetzungs- und Rezeptionsgeschichte, mit kinder- und jugendliterarischen Medien sowie in zahlreichen Einzelstudien mit Gattungen, Formen und Themen historischer wie aktueller Kinder- und Jugendliteratur und -medien. Der Band ist Hans-Heino Ewers gewidmet, der in seiner über 25-jährigen Lehr- und Forschungstätigkeit maßgeblich zur theoretisch-systematischen Fundierung dieser vergleichsweise jungen Fachdisziplin beigetragen und wesentliche Impulse für die weitere Forschung gegeben hat.
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„Ich hab‘ das Spiel mit viel Bedacht in eine neue Form gebracht“. Das Purimspiel als deutschsprachiges Kinderschauspiel: Annegret Völpel

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Jüdische Kinderschauspiele deutscher Sprache

In den letzten Jahrzehnten wurden wesentliche Entwicklungsphasen des Kinderschauspiels im deutschsprachigen Raum literaturwissenschaftlich aufgearbeitet. Zu den noch genauer zu erschließenden Aspekten gehören m.E. interkulturelle Differenzierungen, die auch den jüdischen Beitrag zur Dramengeschichte betreffen. Denn die jüdische Gemeinschaft partizipierte nicht nur am allgemeinen Theaterrepertoire und am Lektüreangebot zeitgenössischer Dramentexte, sondern schuf auch eigenkulturelle Kinderdramen. An der Entstehung des deutschsprachigen jüdischen Kinderschauspiels beteiligten sich divergierende Strömungen, die in sehr unterschiedlichem Maße an der Förderung von jüdischer Dramenkultur interessiert waren. Eine führende Rolle nahm das Reformjudentum ein, das sich seit der Haskala, d.h. seit der Aufklärung im späten 18. Jahrhundert, im Interesse der Akkulturation und Emanzipation zur deutschen Sprache und für die allgemeine Dramenproduktion – aufgrund deren Toleranzthematik insbesondere für Lessings und Schillers Dramen – geöffnet hatte. Aber auch konservative jüdische Zirkel und die Neo-Orthodoxie waren an dem dramengeschichtlichen Prozess beteiligt. Letztere vertrat seit ihrem Aufkommen in den 1860er Jahren gegenüber jüdischem Dramenschaffen eine ambivalente Haltung, begegnete man doch in orthodox religiösen Kreisen der Schauspielerei mit besonderem Misstrauen. Unter der Prämisse jedoch, dass auch das Kinderschauspiel in erster Linie für religiöse Lehre zu nutzen sei, beteiligte sich auch die Neo-Orthodoxie – wenn auch mit wenigen Werken1 – an spezifischen Kinderdramen in deutscher Sprache.

Für die Entwicklung deutsch-jüdischer Kinderdramen ist nicht allein die deutschsprachige Kinderliteraturgeschichte als Zusammenhang zu bedenken, sondern auch...

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