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Programmwortschatz einer höfischen Dichtersprache

«hof/hövescheit», «mâze», «tugent», «zuht», «êre» und «muot» in den höfischen Epen um 1200

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Nina Bartsch

Diese Arbeit versteht sich als Beitrag zur Diskussion um die sogenannte höfische Dichtersprache. Den Ansatzpunkt für die Untersuchung bildet dabei die Analyse des oft als gruppenspezifisch verstandenen Wortschatzes. Die Programmwörter hövescheit, mâze, tugent, zuht, êre und muot dieses Wortschatzes entwerfen in ihrer unterschiedlichen sprachlichen Verwendung das für den literarischen Handlungsraum hof gültige Regelwerk und dessen Grenzen. Durch die empirische Analyse der sprachlichen Verwendung der einzelnen Programmwörter und deren konzeptioneller Verknüpfung im Sinne eines Programmwortschatzes in der höfischen Epik um 1200 wird eine bisher bestehende Forschungslücke gefüllt und so eine Basis für weiterführende Forschungsfragen geschaffen.
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2. Forschungsvorhaben

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2.1. ,Die‘ höfische Dichtersprache im Spiegel der Forschung

2.1.1. Parameter der Begriffsbestimmung

Die bisherige Forschung zeigt ein breites Spektrum an unterschiedlichen methodischen Zugängen, die Existenz einer mittelhochdeutschen Dichtersprache beweisen oder widerlegen zu wollen. Eine fast 200-jährige Forschungsdebatte erweist sich in ihren Ergebnissen als kleinteiliges Puzzle, sie präsentiert sich in der Vielheit und Varianz anstatt in der Einheit – ganz entsprechend ihres Forschungsgegenstandes und entgegen des konstatierten Bestrebens von Sprache nach Vereinheitlichung.

Ein wichtiger Punkt innerhalb der Bewertung der Forschungsergebnisse liegt besonders darin, den Stellenwert von positiven und negativen Konzessionen innerhalb der Beweisführung zu gewichten. Anders und plakativer formuliert, verbirgt sich dahinter die Frage, inwiefern aus dem gemeinsamen Fehlen von vorhandenen Gemeinsamkeiten auf die Existenz einer übergeordneten Norm oder dem Duktus der älteren Forschung folgend auf ein vorhandenes Vorbild bzw. Ideal geschlossen werden kann. Die Forschung ist sich bis jetzt darüber uneinig. Die ältere Forschung hat versucht, die Rolle der höfischen Dichtersprache innerhalb der gesamten Entwicklung der deutschen Sprache vom Althochdeutschen über die Herausbildung einer einheitlichen Schriftsprache bis zum Neuhochdeutschen hin zu bestimmen. Sie ist dabei zu dem Ergebnis gekommen, dass sich die Sprache der höfischen Dichtung als artifizielle Sondersprache durch das Vorhandensein stilistischer und formaler Gemeinsamkeiten sowohl von der Sprachstufe des Althochdeutschen als auch der des Frühneuhochdeutschen bzw. Neuhochdeutschen abgrenzt. Dabei steht die höfische Dichtersprache in zeitgleicher Koexistenz zu den geschriebenen Sprachformen der zumeist religiösen Prosaliteratur, den verschiedenen Kanzleisprachen und den gesprochenen...

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