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Programmwortschatz einer höfischen Dichtersprache

«hof/hövescheit», «mâze», «tugent», «zuht», «êre» und «muot» in den höfischen Epen um 1200

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Nina Bartsch

Diese Arbeit versteht sich als Beitrag zur Diskussion um die sogenannte höfische Dichtersprache. Den Ansatzpunkt für die Untersuchung bildet dabei die Analyse des oft als gruppenspezifisch verstandenen Wortschatzes. Die Programmwörter hövescheit, mâze, tugent, zuht, êre und muot dieses Wortschatzes entwerfen in ihrer unterschiedlichen sprachlichen Verwendung das für den literarischen Handlungsraum hof gültige Regelwerk und dessen Grenzen. Durch die empirische Analyse der sprachlichen Verwendung der einzelnen Programmwörter und deren konzeptioneller Verknüpfung im Sinne eines Programmwortschatzes in der höfischen Epik um 1200 wird eine bisher bestehende Forschungslücke gefüllt und so eine Basis für weiterführende Forschungsfragen geschaffen.
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3. Empirischer Teil

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3.1. hof

3.1.1. Stand der Forschung

In ursprünglicher Bedeutung beschreibt hof einen umfriedeten Platz mit einem eingeschlossenen Wohnbereich. Die Übertragung der Bedeutung auf den fürstlichen Hof, insbesondere in der Literatur, entsteht unter dem Eindruck des Reisekönigtums. Infolge dieser ambulanten Hofhaltung ist die Institution hof nicht mehr an eine spezielle Örtlichkeit, sondern an die Person des Herrschers gebunden. Es ist davon auszugehen, dass hof daher sowohl im ursprünglichen Sinne zur Bezeichnung einer Örtlichkeit als auch in übertragener Bedeutung zur Bezeichnung der Institution und der sie tragenden Organe – also des Herrschers und seines engeren Gefolges – verwendet werden kann.

hövesch ist eine mit Herkunftsmorphem gebildete adjektivische Ableitung zu hof und bedeutet ,zum Hof gehörig'.246 hövesch referiert dabei aber nicht auf die ursprüngliche, sondern bereits auf die übertragene Bedeutung von hof und dient so der ethisch-moralischen Beschreibung aller mit dem Fürstenhof verbundenen Personen, Verhaltensweisen und Handlungen. Der enge Bezug zum Fürstenhof legt nahe, dass es sich bei hövesch um eine Lehnbildung zu afrz. courtois und/oder mlat. curialis handelt. Ab dem 12. Jahrhundert nimmt die Zahl der Belege zu hövesch in den höfischen Epen stark zu, sodass dem Adjektiv eine handlungsstrategisch wichtige Bedeutung zuzukommen scheint. Bumkes Ausführungen folgend, wird hövesch sogar zu einem Programmwort mittelhochdeutscher Literatur, in der ein ganzes Gesellschaftsideal begrifflich Ausdruck findet:

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