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Programmwortschatz einer höfischen Dichtersprache

«hof/hövescheit», «mâze», «tugent», «zuht», «êre» und «muot» in den höfischen Epen um 1200

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Nina Bartsch

Diese Arbeit versteht sich als Beitrag zur Diskussion um die sogenannte höfische Dichtersprache. Den Ansatzpunkt für die Untersuchung bildet dabei die Analyse des oft als gruppenspezifisch verstandenen Wortschatzes. Die Programmwörter hövescheit, mâze, tugent, zuht, êre und muot dieses Wortschatzes entwerfen in ihrer unterschiedlichen sprachlichen Verwendung das für den literarischen Handlungsraum hof gültige Regelwerk und dessen Grenzen. Durch die empirische Analyse der sprachlichen Verwendung der einzelnen Programmwörter und deren konzeptioneller Verknüpfung im Sinne eines Programmwortschatzes in der höfischen Epik um 1200 wird eine bisher bestehende Forschungslücke gefüllt und so eine Basis für weiterführende Forschungsfragen geschaffen.
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3.3. tugent

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3.3.1. Stand der Forschung

twgent bezeichnet in seiner Grundbedeutung als Ableitung zum Verbalstamm ,das Taugliche‘, semantisch steht twgent ähnlich wie mâze in enger Verbindung zu zwht, dessen ursprüngliche Bedeutung in den wirtschaftlichen Sinnbereich der ,Zucht‘ im Sinne der ,Aufzucht‘ zu verorten ist. In twgent vereinen sich drei unterschiedliche Traditionslinien, woraus sich das umfangreiche Bedeutungsspektrum des Lexems erklären lässt. Erstens dient twgent der Bezeichnung der physischen oder geistigen Kraft, zweitens kann twgent die christliche Tugend im Sinne von lat. virtws meinen und drittens kann die antike Vorstellung der virtws als dynamis zugrunde liegen, die sowohl körperliche Kraft als auch sittliche Tugend bezeichnen kann.318 In der höfischen Literatur bezeichnet twgent ein ethisches und sittliches Ideal, das als Maßstab des ritterlich-höfischen Lebens zu verstehen ist. Die twgent des Einzelnen beruht dabei einerseits auf erblicher Anlage, andererseits auf Erziehung, wodurch sich die semantische Nähe zu zwht erklärt. Dies kann so weit gehen, dass einzelne literarische Figuren zur Verkörperung der twgent selbst werden.319 twgent referiert zwar immer auf die Übereinstimmung von äußerer Erscheinung und innerer Haltung, dennoch wiegt in der Darstellung die ästhetische in der Regel schwerer als die ethische Komponente der Bedeutung.320 Maurer rückt twgent in einen näheren semantischen Zusammenhang zu ere, da er beiden Lexemen einen ähnlichen Prozess des Bedeutungswandels zuspricht: Beide Worte zeigen eine Entwicklung vom Konkreten zum Abstrakten bzw. vom Äußeren zum Inneren. Als Grund dafür führt Maurer die Ber...

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