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Programmwortschatz einer höfischen Dichtersprache

«hof/hövescheit», «mâze», «tugent», «zuht», «êre» und «muot» in den höfischen Epen um 1200

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Nina Bartsch

Diese Arbeit versteht sich als Beitrag zur Diskussion um die sogenannte höfische Dichtersprache. Den Ansatzpunkt für die Untersuchung bildet dabei die Analyse des oft als gruppenspezifisch verstandenen Wortschatzes. Die Programmwörter hövescheit, mâze, tugent, zuht, êre und muot dieses Wortschatzes entwerfen in ihrer unterschiedlichen sprachlichen Verwendung das für den literarischen Handlungsraum hof gültige Regelwerk und dessen Grenzen. Durch die empirische Analyse der sprachlichen Verwendung der einzelnen Programmwörter und deren konzeptioneller Verknüpfung im Sinne eines Programmwortschatzes in der höfischen Epik um 1200 wird eine bisher bestehende Forschungslücke gefüllt und so eine Basis für weiterführende Forschungsfragen geschaffen.
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3.5. êre

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3.5.1. Stand der Forschung

êre und das Verb êren bedingen eine wechselseitige Beziehung, die entweder zwischen zwei Menschen, zwischen Mensch und Gott oder Mensch und Sache bestehen kann. In einer frühen, christlich geprägten Bedeutung bezeichnet êre die Ehrfurcht, die der Mensch dem Göttlichen entgegenbringt. Davon ausgehend erfolgt eine Übertragung auf den weltlichen Bereich, in dem êre die Ehrerweisung oder Ehrfurcht meint, mit der ein Untergebener einer höheren Instanz gegenübertritt. Bedingt durch den Einfluss christlicher Lehre löst sich die hierarchische Restriktion von êre auf, in der Folge bezeichnet êre nun auch nicht hierarchisch gekennzeichnete Beziehungen. Bedurfte es zunächst einer besonderen Tat, einer bestimmten Position oder eines gewissen Grades an politischer Macht, reicht später unter Umständen schon die gesellschaftliche Zugehörigkeit aus, um êre zu erfahren.348 Im Mittelhochdeutschen bezeichnet êre in passivischer Verwendung einen ehrwürdigen Zustand und in aktivischem Gebrauch eine Handlung, die Ehre bezeugt. In der Regel enthält êre in seiner Grundbedeutung in beiden Verwendungen immer auch ein ethisches Urteil. Das vom Substantiv abgeleitete Verb êren kann aktivisch in der Bedeutung ,zu êre verhelfen‘ und passivisch in der Bedeutung ,zu êre gereichen‘ verwendet werden.349 Der Wunsch êre zu erlangen oder zu besitzen, ist Triebfeder des hôhen muotes.350 Neben der kausalen Verknüpfung mit muot steht êre oft zusammen mit guot, beide zusammen bilden die Basis des adeligen Lebens. êre wird in der mittelhochdeutschen Literatur zum Ehrenkodex im Sinne einer Norm, die das wünschenswerte Handeln...

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