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GEISTESwissenschaften – IdeenGESCHICHTE

Festschrift für Helmut Reinalter zum 70. Geburtstag

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Josef Wallmannsberger

Theorien der Geisteswissenschaften und Ideengeschichte definieren zentrale Momente des gelehrten Lebenswerks von Helmut Reinalter, dessen leitendes wissenschaftliches Motiv in der konsequenten Vernetzung rigoroser fachbasierter Forschung mit transdisziplinären Perspektivierungen und geistesgeschichtlichen Genealogien gefunden werden kann. Die Beiträge der Festschrift zum 70. Geburtstag des Jubilars situieren sich in diesem spezifischen Problemkontext, Innovationen und Impulse des Œuvres von Helmut Reinalter aufnehmend, kontrastierend und kontrapunktierend, im Sinne eines kritischen Dialogs in aufklärerischer Absicht.
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Vom Fördernden und Hemmenden geschichtlichen Wissens nach Nietzsche: Rainer Thurnher

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Vom Fördernden und Hemmenden geschichtlichen Wissens nach Nietzsche

Rainer Thurnher

Unter den Unzeitgemäßen Betrachtungen Nietzsches ist sicher die 1874 unter dem Titel „Vom Nutzen und Nachteil der Historie für das Leben“ veröffentlichte Zweite Abhandlung die philosophisch ergiebigste und bis heute1 am meisten erörterte und kommentierte; auch diejenige, von der in der Folge immer wieder neue Impulse und Denkanstöße ausgegangen sind. Anders als in den übrigen Unzeitgemäßen Betrachtungen wird in ihr nicht anhand der Auseinandersetzung mit dem Werk und den Absichten eines einzelnen Autors oder Kunstschaffenden Gegenwartskritik geübt. Vielmehr setzt sich Nietzsche in ihr mit der Kultur und der geistig-seelischen Verfassung seiner Zeit direkt auseinander, einen Aspekt dabei ins Auge fassend, der ihn zu Thesen, Überlegungen und Stellungnahmen philosophischer Natur veranlaßt, die in ihrer Bedeutung über das rein Zeitkritische und Zeitbezogene entschieden hinausgehen.

Die Gegenwart, und in ihr im besonderen die Deutschen, so meint Nietzsche, litten an einer seelischen Deformation, an einer Verkümmerung des urwüchsigen Lebensimpulses, ausgelöst durch eine Hypertrophie des Historischen, ein lastendes Übergewicht der Vergangenheitsdimension, ein unfreies Verhältnis gegenüber dem durch Erinnerung sich Aufdrängenden und Fortwirkenden. Der überwiegende ← 217 | 218 → Teil davon, der – weil von den Lebensbedürfnissen abgelöst – eine unkontrollierte und höchst fragwürdige Wirkung entfaltet, wird durch eine gezielte Erinnerungsanstrengung – in Gestalt nämlich der historischen Wissenschaften und der durch sie geprägten Bildung – ans Licht gebracht und am Leben erhalten. „Unzeitgemäß“, so schreibt...

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