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Morgenland und Moderne

Orient-Diskurse in der deutschsprachigen Literatur von 1890 bis zur Gegenwart

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Edited By Axel Dunker and Michael Hofmann

Die Ereignisse nach dem 11. September 2001 und die jüngsten gesellschaftlichen Umbrüche im Nahen Osten, der Irak-Krieg, der Bürgerkrieg in Syrien, der fortdauernde Konflikt in Afghanistan, aber auch die interkulturellen Probleme innerhalb Deutschlands machen deutlich, wie wichtig die Bilder und Vorstellungen sind, die sich der «Westen» vom traditionell auf den Begriff des «Orients» gebrachten Nahen und Mittleren Osten macht. Die Beiträge dieses Bandes geben Aufschlüsse über das Verhältnis von Identität und Alterität, von Selbst- und Fremdbildern im Verhältnis der deutschen Kultur und Gesellschaft zum «Orient».
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Winfried Eckel: Spiegelung, Rahmung, Integration. Zu Funktion und Verwendung von Orientbildern bei Stefan George

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Die Diskussionen über die westlichen Bilder des Orients, die in den englischsprachigen Ländern spätestens mit Edward Saids vielberufener Studie Orientalism von 1978, wenig später dann auch im frankophonen Raum eingesetzt haben, sind seit einiger Zeit auch in der Germanistik angekommen. Mit der Frage nach der möglichen politischen Funktion dieser Bilder, gerade auch der von der Literatur produzierten Bilder, kam diesen Diskussionen von Anfang an eine mehr als rein akademische Bedeutung zu. Durch die Ereignisse des 11. September 2001 und die nicht abebbende Rede vom „Kampf der Kulturen“ („clash of civilizations“, Huntington) darf das Thema heute sogar eine Art gefühlter Aktualität für sich beanspruchen. Dass es erst vergleichsweise spät in der Germanistik aufgegriffen wurde, hat verschiedene Gründe, nicht zuletzt den, dass Deutschland im Prozess der europäischen Kolonialisierung des Orients nur eine sehr untergeordnete Rolle gespielt hat. Die These Saids lautete bekanntlich, dass der westliche Orientdiskurs (von dem Said anders als die Herausgeber dieses Bandes im Singular spricht) wesentlich Ausdruck eines Willens zur Macht sei und auf die diskursive, dann auch realpolitische Unterwerfung der anderen Kultur oder des kulturellen Anderen zielt. Der Orient sei überwiegend eine europäische Erfindung, die auf eine überlegene Selbstdefinition des Westens durch die Entgegensetzung zum Osten und damit letztlich auf die Rechtfertigung des westlichen Kolonialismus und Imperialismus ziele.1 Eine wesentliche Rolle spiele dabei ein relativ konstantes Set stereotyper Zuschreibungen:

one of the important developments in nineteenth-century Orientalism was the distillation of essential ideas about the...

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