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Morgenland und Moderne

Orient-Diskurse in der deutschsprachigen Literatur von 1890 bis zur Gegenwart

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Edited By Axel Dunker and Michael Hofmann

Die Ereignisse nach dem 11. September 2001 und die jüngsten gesellschaftlichen Umbrüche im Nahen Osten, der Irak-Krieg, der Bürgerkrieg in Syrien, der fortdauernde Konflikt in Afghanistan, aber auch die interkulturellen Probleme innerhalb Deutschlands machen deutlich, wie wichtig die Bilder und Vorstellungen sind, die sich der «Westen» vom traditionell auf den Begriff des «Orients» gebrachten Nahen und Mittleren Osten macht. Die Beiträge dieses Bandes geben Aufschlüsse über das Verhältnis von Identität und Alterität, von Selbst- und Fremdbildern im Verhältnis der deutschen Kultur und Gesellschaft zum «Orient».
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Volker Mergenthaler: „Vereinigungen“. Max Dauthendeys Lingam und das Phantasma ‚Orient‘

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Anfang 1911 nimmt der Journalist, Autor und Kritiker Leonhard Adelt im Literarischen Echo unter dem Titel Bilder aus der Fremde 1 eine Reihe mehr oder minder literarischer Neuerscheinungen in den Blick.2 Es sind dies: Du mein Italien, Reise-Eindrücke von Richard Voß, einem „Italienschwärmer in der Goethe-Tradition“, ein von Otto Boyer vorgelegtes Fragment aus dem Leben eines [in Spanien weilenden] Müßiggängers, von Theodor Wolff publizierte Spaziergänge „von Göteborg bis Tunis, von London bis Konstantinopel“, als Petersburger Nächte präsentierte Feuilletons des Deutschrussen Paul Barchan, eine unter dem Titel Das Teehaus zu den hundert Stufen vermarktete Auswahl aus dem Tagebuche [des Japan-erfahrenen] Schiffsarztes Richard Spitz, eine „Kriegsgeschichte“ von Hans Walther und ein „Reiseroman“ von Lene Haase, beide angesiedelt „in Deutsch-Südwest“, aus dem Dänischen ins Deutsche übersetzte Afrikanische Novellen von Jürgen Jürgensen sowie Zwölf asiatische Novellen aus der Feder von Max Dauthendey.3 Ein Gutteil der von Adelt genannten Neuerscheinungen verhandelt Länder und Gebiete, die in dem um 1900 zumindest auf der Weltkarte Hugo Grothes4 ziemlich weitläufigen Orient zu verorten sind.

← 63 | 64 → Vom westlichen Eingang zum Mittelmeer, vom Sultanat Marokko entlang der nordafrikanischen Küste und von der Balkanhalbinsel quer durch Vorder- und Zentralasien zu den Gestaden des Stillen Ozeans dehnt sich die Welt des Morgenlandes, erstrecken sich die Gebiete orientalischer Völker. Weniger wissenschaftlich präzisierte Definitionen vermögen das zu erfassen, was man den „Orient“ zu nennen gewohnt ist, es umschliesst ihn vielmehr eine tiefe...

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