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Das II. Vatikanische Konzil und die Wissenschaft der Theologie

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Ansgar Kreutzer and Günther Wassilowsky

Mit der Erinnerung an das II. Vatikanische Konzil ist eine Besinnung auf das funktionierende Zusammenspiel von kirchlichem Lehramt, wissenschaftlicher Theologie und gesellschaftlicher Öffentlichkeit verbunden. Diesen Zusammenhängen von Konzil und Theologie im Kontext ihrer gesellschaftlichen Herausforderungen ist dieser Sammelband gewidmet, der auf eine im Sommersemester 2012 an der Katholisch-Theologischen Privatuniversität Linz (KTU) gehaltene Ringvorlesung zurückgeht. Während zahlreiche inhaltliche Auseinandersetzungen mit dem Konzil eher auf seine Dokumente oder Grundthemen abheben, bildet hier das Interaktionsverhältnis von Konzils- und theologischem Reflexionsgeschehen das übergreifende Formalobjekt: Wie haben sich Theologie und Konzil wechselseitig beeinflusst? Welche Kontinuitäten und Brüche bedeutete das Konzil für die einzelnen theologischen Teilfächer? Und was ist der spezifische Beitrag der theologischen Reflexion zum kulturellen Gedächtnis des Konzils in der Kirche – auch im Sinne seiner Aktualisierung?
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„mit den sprachlichen Ausdrucksformen des modernen Denkens“

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(Johannes XXIII.).Die Selbstmodernisierung von Kirche und Theologie durch das II. Vatikanische Konzil

Ansgar Kreutzer

„Dies soll zu je größerer Übereinstimmung mit dem authentischen Glaubensgut führen, indem es mit wissenschaftlichen Methoden erforscht und mit den sprachlichen Ausdrucksformen des modernen Denkens dargelegt wird.“ Der Satz stammt aus der berühmten Eröffnungsansprache von Papst Johannes XXIII. zum II. Vatikanischen Konzil, die den Titel „Gaudet Mater Ecclesia“ trägt.1 Die Formulierung wirkt unscheinbar, ein wenig sperrig, beim ersten Lesen nicht unbedingt spektakulär. Und doch lassen sich an diesem Satz, genauer an seiner Geschichte, entscheidende hermeneutische Weichenstellungen ablesen, welche die Sicht auf das Konzil zu seinem Beginn, während seines Verlaufes und in der Zeit seiner Rezeption bis hinein in unsere Zeit bestimmen. Die hermeneutisch für das Konzil so wichtige, weil programmatische Eröffnungsrede hat eine spezifische Redaktionsgeschichte erfahren.2 Der Text war ursprünglich in der Muttersprache des Papstes auf Italienisch verfasst. Der Pontifex legte großen Wert darauf, dass er selbst sie geschrieben habe.3 Die offizielle lateinische Übersetzung weist nicht nur stilistische Modifikationen, sondern sinnverändernde Abweichungen auf. L. Kaufmann und N. Klein sprechen in ihrer kritischen Edition der Papstrede davon, dass es nicht genüge, „die Differenzen ← 303 | 304 → zwischen beiden Fassungen als bloß stilistische Angelegenheit des Übersetzers zu beurteilen. Die an den abweichenden Stellen zutage tretenden Tendenzen zeigen sich als Abschwächungen der Aussage bzw. als Versuch, dieselbe in geläufige lehrhafte Formeln umzugießen“4. Dieses Urteil trifft auch auf die...

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