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Das II. Vatikanische Konzil und die Wissenschaft der Theologie

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Ansgar Kreutzer and Günther Wassilowsky

Mit der Erinnerung an das II. Vatikanische Konzil ist eine Besinnung auf das funktionierende Zusammenspiel von kirchlichem Lehramt, wissenschaftlicher Theologie und gesellschaftlicher Öffentlichkeit verbunden. Diesen Zusammenhängen von Konzil und Theologie im Kontext ihrer gesellschaftlichen Herausforderungen ist dieser Sammelband gewidmet, der auf eine im Sommersemester 2012 an der Katholisch-Theologischen Privatuniversität Linz (KTU) gehaltene Ringvorlesung zurückgeht. Während zahlreiche inhaltliche Auseinandersetzungen mit dem Konzil eher auf seine Dokumente oder Grundthemen abheben, bildet hier das Interaktionsverhältnis von Konzils- und theologischem Reflexionsgeschehen das übergreifende Formalobjekt: Wie haben sich Theologie und Konzil wechselseitig beeinflusst? Welche Kontinuitäten und Brüche bedeutete das Konzil für die einzelnen theologischen Teilfächer? Und was ist der spezifische Beitrag der theologischen Reflexion zum kulturellen Gedächtnis des Konzils in der Kirche – auch im Sinne seiner Aktualisierung?
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Bedingungslose Achtung der Freiheit

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.Autonomie und Freiheit des Gewissens in der Lehre des Konzils und der nachkonziliaren Moraltheologie

Michael Rosenberger

„Niemals hatten die Menschen einen so wachen Sinn für Freiheit wie heute, und gleichzeitig entstehen neue Formen von gesellschaftlicher und psychischer Knechtung.“ (GS 4) So lautet eines von acht Gegensatzpaaren, mit denen das II. Vatikanische Konzil die Zeichen der Zeit umreißt, nach denen zu forschen und die zu deuten es als Aufgabe der Kirche betrachtet. Jedes Gegensatzpaar beginnt mit einer Anzeige von Fortschritt und Wachstum („immer mehr“, „immer tiefer“, „Schritt für Schritt“, „zunehmend“, „besser“) oder einem verborgenen Superlativ („niemals so … wie“), um die Gegenwart von allen ihr vorangehenden Epochen der Menschheitsgeschichte abzuheben. Dann wird zunächst eine erfreuliche Entwicklung genannt, ehe deren unerfreuliche Gegenentwicklung beschrieben wird. „Niemals hatten die Menschen einen so wachen Sinn für Freiheit wie heute“ (GS 4), ist folglich als uneingeschränkt positive Einschätzung des Konzils zu verstehen. Diese wird kontrastiert mit der harten Realität der Knechtung von Menschen, die das Konzil nicht übersieht, sondern ebenso als Zeichen der Zeit wahrnehmen will1.

Diese Einschätzung untermauert GS 55, wo es noch viel euphorischer heißt: „Immer mehr wächst in der ganzen Welt der Sinn für Autonomie und zugleich für Verantwortlichkeit, was ohne Zweifel für die geistige und sittliche Reifung der Menschheit von größter Bedeutung ist. Diese tritt noch deutlicher in Erscheinung, wenn wir uns die Einswerdung der Welt und die uns auferlegte Aufgabe vor...

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