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Das II. Vatikanische Konzil und die Wissenschaft der Theologie

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Ansgar Kreutzer and Günther Wassilowsky

Mit der Erinnerung an das II. Vatikanische Konzil ist eine Besinnung auf das funktionierende Zusammenspiel von kirchlichem Lehramt, wissenschaftlicher Theologie und gesellschaftlicher Öffentlichkeit verbunden. Diesen Zusammenhängen von Konzil und Theologie im Kontext ihrer gesellschaftlichen Herausforderungen ist dieser Sammelband gewidmet, der auf eine im Sommersemester 2012 an der Katholisch-Theologischen Privatuniversität Linz (KTU) gehaltene Ringvorlesung zurückgeht. Während zahlreiche inhaltliche Auseinandersetzungen mit dem Konzil eher auf seine Dokumente oder Grundthemen abheben, bildet hier das Interaktionsverhältnis von Konzils- und theologischem Reflexionsgeschehen das übergreifende Formalobjekt: Wie haben sich Theologie und Konzil wechselseitig beeinflusst? Welche Kontinuitäten und Brüche bedeutete das Konzil für die einzelnen theologischen Teilfächer? Und was ist der spezifische Beitrag der theologischen Reflexion zum kulturellen Gedächtnis des Konzils in der Kirche – auch im Sinne seiner Aktualisierung?
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„Das Wort Gottes voll Ehrfurcht hörend und voll Zuversicht

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verkündigend“ (DV 1).Das standing von Bibel und Bibelwissenschaft in der Katholischen Kirche des 20. Jahrhunderts und was das II. Vatikanische Konzil damit zu tun hat

Christoph Niemand

1.  Hinführung

Man wird nicht fehlgehen, das II. Vatikanische Konzil insgesamt als den Versuch zu verstehen, die Kirche – ihre Verkündigung und ihre Vollzüge – aus jenen mannigfachen Engführungen herauszuführen, die sich in der blockierenden Polarität von Moderne und Antimodernismus, Aufklärung und Supranaturalismus im 19. und frühen 20. Jahrhundert ergeben haben. Um dies zu ermöglichen, versuchten die peers des Konzils aus Episkopat und Theologenschaft bewusst, nicht die eingefahrenen neuscholastischen Sprachspiele der lehramtlichen Theologie dieser Periode weiter zu treiben, sondern an den großen Traditionen der heilsgeschichtlich aufgefassten Theologien in Bibel, Patristik und altchristlicher Liturgie anzuknüpfen. Ich will im Folgenden diesen „Weg hinaus ins Weite“ aus der Sicht der bibelwissenschaftlichen Fächer darstellen und kommentieren. Mein Interesse geht dabei nicht nur auf Aussagen zu meinem unmittelbaren Aufgabenbereich – zur Bibelexegese und ihren Methoden –, sondern auch auf das weitere Themenfeld der allgemeinen Bibelhermeneutik, insbesondere jenem einer angemessenen Inspirationstheologie. Da diese traditionellerweise zu den Aufgaben der Fundamentaltheologie gehört, ergibt sich eine reizvolle Transdisziplinarität.

Die moderne Herausforderung an den traditionellen Bibelglauben der Kirche entsteht nicht als innerkirchliches Problem, sondern aufgrund des veränderten Welt- und Religionsverständnisses ausgehend von Aufklärung und Rationalismus: „Die Religion innerhalb der Grenzen der bloßen Vernunft“ – der Werktitel von Immanuel Kant kann...

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