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Wissenstexturen

Literarische Gattungen als Organisationsformen von Wissen

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Gunhild Berg

Literarische Gattungen sind Wissensformate und -praktiken. Sie form(ul)ieren, organisieren, strukturieren, kurzum: texturieren Wissen. Der Band geht der Frage nach, welches Wissen Gattungen mithilfe der ihnen eigenen Texturen wie arrangieren. Welches Gattungswissen wird tradiert? Welche extratextuellen Objekte, Muster oder Bilder wirken in literarischen Gattungen? Die Beiträge analysieren etablierte ebenso wie originelle, kurzlebige Gattungen des späten 18., 19. und frühen 20. Jahrhunderts, deren Entstehung und Veränderung epistemische Brüche markieren. Dazu zählen Idylle, Novelle, Fragment, Rhapsodie, Ansicht, Porträt, Denkmal, Galerie, Panorama, Guckkasten, Daguerreotypie, Zukunftsbild, Experimentalroman, Studie, Dialogroman und Tatsachenroman.
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Literarische Gattungen als Wissenstexturen. Zur Einleitung und zur Konzeption des Bandes

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← viii | 1 → Gunhild Berg

Gattungen sind eine Aussageweise und damit eine Organisationsform von Wissen.1 Mit dieser These folgt der vorliegende Band den Forschungen zu einer Poetologie des Wissens, der zufolge Form und Aussageweise die Bedingungen und Möglichkeiten des überhaupt Sag- bzw. Schreibbaren und damit das Wissbare bestimmen.2 Eine solche wissenspoetologische Untersuchung begreift das Auftauchen nicht nur neuer, sondern aller Wissensobjekte „zugleich als Form ihrer Inszenierung“.3 Derartiges inszenatorisches Potenzial bietet die historisch variierende Formensprache kommunikativer, fiktionaler wie nichtfiktionaler Gattungen. Sie bieten Programme der Darbietung bzw. Darstellung, die Aussageweisen formieren. Indem sich ein Text einer bestimmten Gattung einschreibt oder eine neue Gattung erschreibt, schließt er nicht nur andere Realisationsformen aus, sondern weckt er auch spezielle Erwartungen, determiniert er sowohl Inhalt und Form seiner Aussage als auch seine Anschlussfähigkeit.4

Gefragt wird in diesem Band demgemäß nicht danach, wie das Wissen einer Epoche in Gattungen kommt oder welches Wissen literarische Gattungen verbreiten, sondern danach, welches Wissen Gattungen ihrer Form nach repräsentieren, welches sich historisch wandelnde Wissen ihren Strukturen und Strukturierungsleistungen inhärent ist. Denn Wahl und Ausstellung der literarischen Form reflektieren immer auch die Bedingungen des ihnen zugrundeliegenden Wissens.

Eine wissenspoetologische Untersuchung von historischen Gattungen geht daher davon aus,

← 1 | 2 → […] daß jede Wissensordnung bestimmte Repräsentationsweisen ausbildet und privilegiert, und sie interessiert sich demnach für die Regeln und Verfahren, nach denen sich ein Äußerungszusammenhang ausbildet und abschließt und die Darstellungen diktiert, in denen er seine performative Kraft...

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