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Wissenstexturen

Literarische Gattungen als Organisationsformen von Wissen

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Edited By Gunhild Berg

Literarische Gattungen sind Wissensformate und -praktiken. Sie form(ul)ieren, organisieren, strukturieren, kurzum: texturieren Wissen. Der Band geht der Frage nach, welches Wissen Gattungen mithilfe der ihnen eigenen Texturen wie arrangieren. Welches Gattungswissen wird tradiert? Welche extratextuellen Objekte, Muster oder Bilder wirken in literarischen Gattungen? Die Beiträge analysieren etablierte ebenso wie originelle, kurzlebige Gattungen des späten 18., 19. und frühen 20. Jahrhunderts, deren Entstehung und Veränderung epistemische Brüche markieren. Dazu zählen Idylle, Novelle, Fragment, Rhapsodie, Ansicht, Porträt, Denkmal, Galerie, Panorama, Guckkasten, Daguerreotypie, Zukunftsbild, Experimentalroman, Studie, Dialogroman und Tatsachenroman.
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Gattungswissen: Die Idylle als Gnoseotop

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← 22 | 23 → Hans Adler

1 Präambel1

Mit den folgenden Überlegungen gehe ich auf die Ausgangsthese dieses Bandes – dass literarische Gattungen Formen menschlichen Wissens seien – ein. Um meine Perspektive auf diese These zureichend profilieren zu können, ist es nötig – erstens – vier grundlegende Annahmen (Axiome) zum Problembereich vorauszuschicken, – zweitens – den Begriff „Gnoseotop“ vorzustellen und – drittens – den vertrauten Begriff „Idylle“ neu zu definieren. Um Erwartungen, die sich habituell mit dem Begriff der Idylle verbinden, von vornherein auf Enttäuschungen einzustellen, sei schon hier darauf hingewiesen, dass das Folgende nur mittelbar sich als Beitrag zur literarischen Gattungstheorie der Idylle versteht. Die These dieses Beitrags ist, dass die Idylle als Wissensform – primär also in ihrer epistemischen Funktion – in ihren Grundelementen die passende Denk- und Darstellungs-Form für den Wissensbegriff der Moderne (zweites ← 23 | 24 → Drittel des 17. Jahrhunderts bis heute) ist. Sie ist indes nicht nur die ‚passende‘ Form, sondern es folgt aus dem Konnex zwischen Idylle und Gnoseotop, dass es zur Idylle als Wissensform der Moderne keine Alternative gibt.

1.1 Vier Axiome2

Vier Annahmen grundlegender Art (Axiome) sollen die Vorgaben zur Statik meiner Argumentation liefern:

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