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Wissenstexturen

Literarische Gattungen als Organisationsformen von Wissen

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Edited By Gunhild Berg

Literarische Gattungen sind Wissensformate und -praktiken. Sie form(ul)ieren, organisieren, strukturieren, kurzum: texturieren Wissen. Der Band geht der Frage nach, welches Wissen Gattungen mithilfe der ihnen eigenen Texturen wie arrangieren. Welches Gattungswissen wird tradiert? Welche extratextuellen Objekte, Muster oder Bilder wirken in literarischen Gattungen? Die Beiträge analysieren etablierte ebenso wie originelle, kurzlebige Gattungen des späten 18., 19. und frühen 20. Jahrhunderts, deren Entstehung und Veränderung epistemische Brüche markieren. Dazu zählen Idylle, Novelle, Fragment, Rhapsodie, Ansicht, Porträt, Denkmal, Galerie, Panorama, Guckkasten, Daguerreotypie, Zukunftsbild, Experimentalroman, Studie, Dialogroman und Tatsachenroman.
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Die Gattung ‚Zukunftsbild‘, 1871-1900. Literarisierung und Politisierung von Zukunftswissen

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1 Das Aufkommen der Gattung im Spätrealismus

1878 erscheinen unter dem Titel Bilder aus der Zukunft. Zwei Erzählungen aus dem vierundzwanzigsten und neununddreißigsten Jahrhundert die beiden Texte Bis zum Nullpunkt des Seins. Erzählung aus dem Jahre 2371 und Gegen das Weltgesetz. Erzählung aus dem Jahre 3877. Beide Texte, als deren Verfasser Kurd Laßwitz zeichnet, wurden schon wenige Jahre zuvor, 1871 beziehungsweise 1877, einzeln publiziert.

Im Mittelpunkt von Bis zum Nullpunkt des Seins stehen drei Figuren, deren Namen bereits den humoristischen Ton anzeigen, in dem der Text gehalten ist: Aromasia Duftemann Ozodes, Meisterin des so genannten „Geruchsklavier[s]“, der Dichter Magnet Reimert-Oberton, zu dessen Spezialitäten das so genannte „Grunzulett“ zählt, „eine neue Dichtungsform, welche die Vorzüge des Sonetts, des Gasels, der alcäischen Strophe und des Familienromans in sich vereinigt“, sowie der „Wetterfabrikant“ Oxygen Warm-Blasius, Aromasias Verlobter.1 Erzählt wird in diesem etwas mehr als dreißig Seiten langen Text von einer gemeinsamen Reise, während der die drei Figuren in ein Streitgespräch über die Vormachtstellung von Kunst oder Wissenschaft geraten:

„aber ich erhalte meine Geringschätzung Eurer schönen Künste aufrecht. Der Schwerpunkt des modernen Lebens kann nur in dem Fortschritt des Erkennens liegen. Und ich behaupte noch mehr. Wir werden durch die Wissenschaft dazu kommen, überhaupt jede Kunst aufzuheben und diese Spielerein überflüssig zu machen.“2

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