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Wissenstexturen

Literarische Gattungen als Organisationsformen von Wissen

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Edited By Gunhild Berg

Literarische Gattungen sind Wissensformate und -praktiken. Sie form(ul)ieren, organisieren, strukturieren, kurzum: texturieren Wissen. Der Band geht der Frage nach, welches Wissen Gattungen mithilfe der ihnen eigenen Texturen wie arrangieren. Welches Gattungswissen wird tradiert? Welche extratextuellen Objekte, Muster oder Bilder wirken in literarischen Gattungen? Die Beiträge analysieren etablierte ebenso wie originelle, kurzlebige Gattungen des späten 18., 19. und frühen 20. Jahrhunderts, deren Entstehung und Veränderung epistemische Brüche markieren. Dazu zählen Idylle, Novelle, Fragment, Rhapsodie, Ansicht, Porträt, Denkmal, Galerie, Panorama, Guckkasten, Daguerreotypie, Zukunftsbild, Experimentalroman, Studie, Dialogroman und Tatsachenroman.
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Rhapsodisches Wissen.Die Rhapsodie als Organisationsform von Wissen um 1800

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← 226 | 227 → Stephanie Bölts

Warum ich aber diesen Vortrag nicht an eine systematische Ordnung binde, habe ich zureichende Gründe, die ich hier anzuführen nicht für nothwendig halte. Deswegen habe ich dem Ganzen die Aufschrift Rhapsodie gegeben: nicht als ob die Bruchstücke aus andern Schriften dieser Art wörtlich ausgehoben wären, wozu die Leser durch eine Nebenbedeutung des Wortes allenfalls könnten verleitet werden; sondern, einmal weil ich keine von denen am Ort rubricierten Materien in große Formen ausdehnen, und ihre Entwicklung nicht bis auf den letzten Faden ausspinnen werde, hernach, weil die Folge derselben nicht durch den Zusammenhang der Gedanken, sondern nach Disposition der Seele zu dieser oder jener Betrachtung, oder auch durch Umstände, durch Unterredungen mit andern Personen, durch Lectüre, oder durch anderen zufälligen Anstoß von Ideen, bestimmt werden soll.1

Um 1800 finden sich zahlreiche Texte, die in ihren Titeln als „Rhapsodie“ oder als „rhapsodisch“ bezeichnet sind, so wie die kurze Schrift Rhapsodische Bemerkungen über Erziehung und Unterricht der Jugend beyderley Geschlechts des Augsburger Gymnasialrektors Hieronymus Andreas Mertens, die im Titel und in der Einleitung auf die Rhapsodie rekurriert. Seine Begründung für diese Bezeichnung lässt Rückschlüsse auf ein Wissen zu, das mit der Rhapsodie verbunden ist, und durch das folglich bestimmte Erwartungen beim Rezipienten geweckt werden sollen. Dazu gehören fehlende Systematik, Kürze und Unvollständigkeit. Die Argumentation ist nicht logisch-rational aufgebaut, sondern vom Seelenzustand des Verfassers sowie externen...

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