Show Less
Restricted access

Alcide De Gasperi und Konrad Adenauer

Zwischen Überwindung der Vergangenheit und europäischem Integrationsprozess (1945–1954)

Series:

Tiziana Di Maio

Italien, Deutschland und die Beziehungen zueinander: Eine komplizierte, konfliktreiche Geschichte, deren Ursprünge weit zurückreichen. Aber auch eine Geschichte der Übereinstimmung, des guten Verhältnisses als Grundlage für ein neues Europa. Das Buch untersucht das Wirken der Gründungsväter der beiden Länder und des vereinten Europas für die Überwindung der damals noch frischen und in der wechselseitigen Betrachtung noch immer lebendigen Vergangenheit. Die Arbeit beleuchtet vor allem einen Aspekt, der in den diplomatischen Studien zur Wiederaufnahme der deutsch-italienischen Beziehungen nach dem Krieg und in den Untersuchungen über das Entstehen des europäischen Integrationsprozesses häufig vernachlässigt wurde: Die Haltung der italienischen Öffentlichkeit zur Wiederaufnahme diplomatischer Beziehungen mit dem post-nationalsozialistischen Deutschland sowie zur Präsenz der Bundesrepublik unter den Gründungsmitgliedern der ersten Gemeinschaftsinstitutionen.
Show Summary Details
Restricted access

1. KapitelItalien und Deutschland unmittelbar nach der „Zäsur“

← 36 | 37 → 1. Kapitel

Extract

Die diplomatischen Beziehungen zwischen Italien und der Bundesrepublik Deutschland wurden offiziell im April 1951 wieder aufgenommen, sechs Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges. Am 13. Oktober 1943 hatten sie eine gewaltsame Unterbrechung erfahren, als die Regierung Badoglio durch die italienische Botschaft in Madrid dem Dritten Reich die Kriegserklärung übermittelte. Unmittelbar nach dem Waffenstillstand hatten die Alliierten dahingehend heftigen Druck auf das Königreich Italien ausgeübt. Die Kriegserklärung leitete die „Mit-Kriegsführung“ (cobelligeranza) Italiens mit den Alliierten ein und machte damit die veränderte Haltung der italienischen Regierung zum ehemaligen deutschen Verbündeten klar. Obwohl die Verkündung des Waffenstillstands mit Verspätung gegenüber der Unterzeichnung erfolgte, traf er die Deutschen doch nicht unvorbereitet: Unverzüglich verwandelten sie ihre Truppen, die bereits fast überall in Italien präsent waren, von Verbündeten in Feinde und errichteten ein wahrhaftiges Besatzungsregime.

Für die Deutschen besiegelten Waffenstillstand und cobelligeranza wieder einmal den Frontwechsel des Königreichs Italien mitten in einem Krieg; das deutsche Regime sah darin einen absoluten Verrat, und die Nazipropaganda begann den Mythos vom „italienischen Verrat“ zu verbreiten. Auch aus diesem Grund erwiesen sich dann die zwei Okkupationsjahre der Wehrmacht als außerordentlich hart für die italienische Bevölkerung28.

Der Wandel von Verbündeten zu Feinden gestattete es den Deutschen „Rache“ zu nehmen an einer Streitmacht und einer Bevölkerung, die schon seit Langem als untauglich und unzuverlässig galten. Der deutsche Historiker Gerhard Schreiber vermerkt, dass die deutschen Ressentiments gegenüber...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.