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Alcide De Gasperi und Konrad Adenauer

Zwischen Überwindung der Vergangenheit und europäischem Integrationsprozess (1945–1954)

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Tiziana Di Maio

Italien, Deutschland und die Beziehungen zueinander: Eine komplizierte, konfliktreiche Geschichte, deren Ursprünge weit zurückreichen. Aber auch eine Geschichte der Übereinstimmung, des guten Verhältnisses als Grundlage für ein neues Europa. Das Buch untersucht das Wirken der Gründungsväter der beiden Länder und des vereinten Europas für die Überwindung der damals noch frischen und in der wechselseitigen Betrachtung noch immer lebendigen Vergangenheit. Die Arbeit beleuchtet vor allem einen Aspekt, der in den diplomatischen Studien zur Wiederaufnahme der deutsch-italienischen Beziehungen nach dem Krieg und in den Untersuchungen über das Entstehen des europäischen Integrationsprozesses häufig vernachlässigt wurde: Die Haltung der italienischen Öffentlichkeit zur Wiederaufnahme diplomatischer Beziehungen mit dem post-nationalsozialistischen Deutschland sowie zur Präsenz der Bundesrepublik unter den Gründungsmitgliedern der ersten Gemeinschaftsinstitutionen.
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2. KapitelErste Kontakte zwischen italienischen und deutschen Christdemokraten

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Nach Ende des Krieges zeigten die Deutschen sehr bald großes Interesse für die Lage Italiens; ihr Interesse beruhte auf der in etwa analogen Situation der beiden Länder (beide hatten eine lange Zeit der Diktatur hinter sich, beide waren besiegt und zerstört), vor allem aber auf dem Willen, die Kontakte zum ehemaligen Verbündeten wieder aufzunehmen.

In den ersten Nachkriegsjahren waren die bayerischen Katholiken die rührigsten und aufmerksamsten Beobachter der Lage in Italien. So suchten die bayerischen Christlich-Sozialen unmittelbar die Beziehungen zwischen Italien und Bayern wieder herzustellen, jenem deutschen Land, das traditionsgemäß engere Kontakte zu Italien hatte. Die größere Nähe zu Italien, die intensivere religiöse Gemeinsamkeit und der Wunsch, das durch den Krieg unterbrochene Netz der Handelsbeziehungen wieder aufzubauen, trugen dazu bei die Aufnahme der Beziehungen zwischen der Democrazia Cristiana und der Christlich-Sozialen Union zu erleichtern.293

Im Sommer 1946 erhielt der Vorsitzende der Christlich-Sozialen Union, Josef Müller294, von seinem Freund und Anwaltskollegen Wilhelm Scheuerle, der zeitweilig in Italien lebte, einen der ersten Berichte über die Situation des Landes unmittelbar nach Kriegsende.

Josef Müller war einer der aktivsten Vertreter des katholischen Widerstands während der Nazizeit: Mehrmals wurde er auf geheime Missionen geschickt, während des Kriegs in Privataudienz vom Papst empfangen und von diesem beauftragt, die Möglichkeit der Realisierung eines Fiedensplans zu sondieren.295 Dank seiner ← 138 | 139 → guten Beziehungen zu den katholischen Kreisen in Rom konnte Müller gleich nach dem Krieg die wichtige...

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