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Die soufflierte Stimme: Text, Theater, Medien

Aufsätze 1979-2012

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Helga Finter

Ist die Stimme nur Toninstrument für Sprache oder ist ihr Klang selbst signifikant? Wer spricht, was singt in einer Stimme? Welche Rolle spielt ihre Theatralisierung für Subjekt-, Körper- und Sprachkonzepte? Wie schafft Stimme Präsenz? Wie eine Signatur? Wie wird ein Ursprung der Stimme, wie Audiovision dramatisiert? Welchen Einfluss hat der Einsatz von Mikrofon, Lautsprecher, Sound-Design? Was bewirken Aufzeichnungstechnologien? Welche Rolle haben akusmatische Stimmen? Was kennzeichnet eine Ethik der Stimme, eine Stimm-Politik? Wie verhält sich die poetische zur Autorenstimme? Auf solche Fragen antwortet dieser Band mit Analysen der Praxis von (experimentellem) Theater, Oper, Tanz, Medien, wie auch von poetisch strukturierten Texten, die performativ eine Ästhetik der Stimme entwerfen.
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Die soufflierte Stimme.

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Klang-Theatralik bei Schönberg, Artaud, Jandl, Wilson und anderen

Die Geschichte des Theaters ist die Geschichte eines langen, stummen, sturen, niemals zu Ende gekommenen Protests gegen den menschlichen Körper.

Valère Novarina

Das Experimentaltheater der siebziger Jahre misstraut dem Wort. Es erscheint ihm als souffliertes Wort (Derrida) von Samuel Beckett bis Ernst Jandl über Robert Wilson zu Richard Foreman. Sein Horizont ist nicht mehr das Gesprochene, sondern das Sprechen, nicht mehr das Sprechen der Sprache, sondern der Stimme. Die Oper wird zum Modell: Robert Wilsons Einstein on the Beach und A Letter for Queen Victoria – „Opern“; Death, Destruction & Detroit – „Ein Stück mit Musik“; Meredith Monks Vessel und Recent Ruins – „Opern“; Ernst Jandls Aus der Fremde – „Sprechoper in 7 Szenen“. Ein weiteres Zeichen, nun auch auf dem Theater, für den um sich greifenden Prozess des Rückzugs des Worts?

Die Zeichen trügen. Zwar ist der Glaube an die Macht der Wortsprache erschüttert, aber das ist er seit dem Ende des 19. Jahrhunderts. Dafür hat jedoch der moderne Text ihr einen Bereich erschlossen, der einen Aspekt der Wortsprache, ihre musikalische Qualität, in ihrer Funktion für den Sprechenden zu erforschen sucht. Die Musik der Stimme des Textes wird dort erfahrbar als ein Grenzbereich zwischen Körper und Wortsprache, als der Bereich, in dem Atem und Klang nicht mehr Körper und noch nicht Sinn sind.

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