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Die soufflierte Stimme: Text, Theater, Medien

Aufsätze 1979-2012

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Helga Finter

Ist die Stimme nur Toninstrument für Sprache oder ist ihr Klang selbst signifikant? Wer spricht, was singt in einer Stimme? Welche Rolle spielt ihre Theatralisierung für Subjekt-, Körper- und Sprachkonzepte? Wie schafft Stimme Präsenz? Wie eine Signatur? Wie wird ein Ursprung der Stimme, wie Audiovision dramatisiert? Welchen Einfluss hat der Einsatz von Mikrofon, Lautsprecher, Sound-Design? Was bewirken Aufzeichnungstechnologien? Welche Rolle haben akusmatische Stimmen? Was kennzeichnet eine Ethik der Stimme, eine Stimm-Politik? Wie verhält sich die poetische zur Autorenstimme? Auf solche Fragen antwortet dieser Band mit Analysen der Praxis von (experimentellem) Theater, Oper, Tanz, Medien, wie auch von poetisch strukturierten Texten, die performativ eine Ästhetik der Stimme entwerfen.
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Die Theatralisierung der Stimme im Experimentaltheater

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Quiconque avec son jeu et son ouïe individuels se peut composer un instrument dès qu’il souffle frôle ou frappe avec science; en user à part et la dédier à la langue.

Stéphane Mallarmé

Die Theatersemiotik nimmt die Einheit optischer und akustischer Zeichenprozesse an, um Theater zeichentheoretisch zu bestimmen (Ingarden),1 oder sie geht von seiner zeiträumlichen Dimension aus, um es als spectaculum von anderen semiotischen Praktiken zu unterscheiden (Kowzan).2 Demnach wäre Aufgabe einer Theatersemiotik, die Zeichensysteme des Theaters und ihre Aktualisierungen in Codes zu identifizieren, sowie ihre Kombinationsmöglichkeiten und die hieraus resultierenden Sinnmöglichkeiten zu inventarisieren. In diesem Sinne argumentiert auch eine neuere Arbeit: Ihr Autor Keir Elam3 stellt einleitend fest, dass im Hinblick auf die theatralen Zeichensysteme bis jetzt nicht wenig mehr getan wurde, als sie – und bei weitem nicht ausreichend – zu identifizieren, und weder die Bestimmung der Bedeutungseinheiten jedes Systems noch die Explikation der Regeln seiner Syntax und Codes geleistet sei. Elam schlägt deshalb eine Ausweitung der von Tadeusz Kowzan vorgeschlagenen Typologie der Zeichensysteme des Theaters4 vor, die er in kulturelle Codes und ihre theatralen und dramatischen Subcodes differenziert. Von den so gewonnenen achtundzwanzig kulturellen Codes diskutiert er sodann im einzelnen die proxemischen, kinetischen und paralinguistischen, wobei sich jedoch eher weitere Forschungsaufgaben denn gesicherte Ergebnisse abzeichnen. Die Aufgabe der Inventarisierung erscheint unendlich. Man ist an das Projekt von Gustave Flauberts Romanfiguren Bouvard und Pécuchet im gleichnamigen Buch gemahnt, deren Katalogisierung des gesamten Wissen anstatt seines...

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