Show Less
Restricted access

Die soufflierte Stimme: Text, Theater, Medien

Aufsätze 1979-2012

Series:

Helga Finter

Ist die Stimme nur Toninstrument für Sprache oder ist ihr Klang selbst signifikant? Wer spricht, was singt in einer Stimme? Welche Rolle spielt ihre Theatralisierung für Subjekt-, Körper- und Sprachkonzepte? Wie schafft Stimme Präsenz? Wie eine Signatur? Wie wird ein Ursprung der Stimme, wie Audiovision dramatisiert? Welchen Einfluss hat der Einsatz von Mikrofon, Lautsprecher, Sound-Design? Was bewirken Aufzeichnungstechnologien? Welche Rolle haben akusmatische Stimmen? Was kennzeichnet eine Ethik der Stimme, eine Stimm-Politik? Wie verhält sich die poetische zur Autorenstimme? Auf solche Fragen antwortet dieser Band mit Analysen der Praxis von (experimentellem) Theater, Oper, Tanz, Medien, wie auch von poetisch strukturierten Texten, die performativ eine Ästhetik der Stimme entwerfen.
Show Summary Details
Restricted access

Die Videoschrift eines Atems: Philippe Sollers, Schriftsteller

Extract

Zwei Gerüchte behaupten sich beharrlich in deutschen Medien, wenn von Frankreichs Literatur der letzten zehn Jahre die Rede ist: ‚Nichts Neues im Westen, das heißt in Paris, abgesehen von den Veteranen des Nouveau Roman.‘ Neuerdings fügt sich dem die Kunde hinzu, in Frankreich seien die Intellektuellen nach der marxistischen Enttäuschung zum Katholizismus konvertiert – beunruhigendes Symptom eines neuen Konservatismus und Bestätigung der zuvor diagnostizierten Dekadenz gleichermaßen.

Als Kronzeuge eines solchen Notstands und der Rückbesinnung auf altvertraute Werte wird gern der Schriftsteller Philippe Sollers genannt, enfant terrible einer nun totgesagten Avantgarde. Sein Belastungsdossier ist so umfangreich, dass alles gegen ihn zu sprechen scheint: ein für unleserlich erklärtes Buch, da ohne Zeichensetzung und in fetter Kursivschrift, mit dem Titel Paradis (1981), ein Bestseller Femmes (1983) und nun eine Autobiographie, Portrait du joueur (1985). Zum gleichen Zeitpunkt wie Alain Robbe-Grillets Le miroir qui revient erschienen, wurde sie wie diese von der Kritik als Abkehr vom Experiment und als Zeugin einer neuen Leserlichkeit vermerkt.

Sollten sich der Veteran des Nouveau Roman und sein heftigster Opponent in der Nostalgie der Erinnerungen endlich getroffen haben? Bei Sollers kommt noch erschwerend eine Reihe von Interventionen hinzu, Bücher und Zeitschriftenbeiträge, die mit so vielsagenden Titeln, wie Vision in New York, Warum ich im Paradies bin, Das Komplott der Jesuiten, Das Lachen Roms, Die Schlüssel von Sankt Peter oder Die Männlichkeit als eine der Schönen Künste die oben geäußerten...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.