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Die soufflierte Stimme: Text, Theater, Medien

Aufsätze 1979-2012

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Helga Finter

Ist die Stimme nur Toninstrument für Sprache oder ist ihr Klang selbst signifikant? Wer spricht, was singt in einer Stimme? Welche Rolle spielt ihre Theatralisierung für Subjekt-, Körper- und Sprachkonzepte? Wie schafft Stimme Präsenz? Wie eine Signatur? Wie wird ein Ursprung der Stimme, wie Audiovision dramatisiert? Welchen Einfluss hat der Einsatz von Mikrofon, Lautsprecher, Sound-Design? Was bewirken Aufzeichnungstechnologien? Welche Rolle haben akusmatische Stimmen? Was kennzeichnet eine Ethik der Stimme, eine Stimm-Politik? Wie verhält sich die poetische zur Autorenstimme? Auf solche Fragen antwortet dieser Band mit Analysen der Praxis von (experimentellem) Theater, Oper, Tanz, Medien, wie auch von poetisch strukturierten Texten, die performativ eine Ästhetik der Stimme entwerfen.
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Vom Theater des Wortes, das fehlt

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Marguerite Duras ist Autorin von sechzehn Theaterstücken, die sie selbst geschrieben hat.1 Ihr Theater hat seit Jahren eine treue Gemeinde, die sich in den jeweiligen Sälen des Ensembles Renaud-Barrault trifft, und dies seit 1965, als Jean-Louis Barrault sie bat, die Erzählung Des Journées entières dans les arbres („Ganze Tage in den Bäumen“) für das Theater zu bearbeiten. Das Théâtre de l’Odéon, dann die Gare d’Orsay und jetzt das Théâtre du Rond-Point, ein ehemaliger Eispalast an den Champs-Elysées, sind die Orte, an denen sie ihre Stücke selbst inszenierte oder aber von Regisseuren wie Claude Régy in Szene setzen ließ, nachdem sie mit ihm die Schauspieler und die Bühnenbildner ausgesucht hatte.

Marguerite Duras gehört zu den Theaterautoren, die die szenische Realisierung ihrer Stücke nur ungern aus den Händen geben. Ja, die selbst ein so großes Misstrauen gegen das Theater hegen, dass man sich verdutzt fragt, was sie eigentlich zur Bühne treibt. So konnte man jüngst von Marguerite Duras ein Statement zum Rollenspiel des Schauspielers lesen, das ihr grundsätzliches Misstrauen gegen das Theater zusammenzufassen scheint:

Le jeu enlève au texte, il ne lui apporte rien, c’est le contraire, il enlève de la présence au texte, de la profondeur, des muscles, du sang.2

Das Spiel reduziert in der Tat die Sinnpotentialitäten des Textes. Inszenieren heißt, eine der möglichen imaginären oder...

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