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Die soufflierte Stimme: Text, Theater, Medien

Aufsätze 1979-2012

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Helga Finter

Ist die Stimme nur Toninstrument für Sprache oder ist ihr Klang selbst signifikant? Wer spricht, was singt in einer Stimme? Welche Rolle spielt ihre Theatralisierung für Subjekt-, Körper- und Sprachkonzepte? Wie schafft Stimme Präsenz? Wie eine Signatur? Wie wird ein Ursprung der Stimme, wie Audiovision dramatisiert? Welchen Einfluss hat der Einsatz von Mikrofon, Lautsprecher, Sound-Design? Was bewirken Aufzeichnungstechnologien? Welche Rolle haben akusmatische Stimmen? Was kennzeichnet eine Ethik der Stimme, eine Stimm-Politik? Wie verhält sich die poetische zur Autorenstimme? Auf solche Fragen antwortet dieser Band mit Analysen der Praxis von (experimentellem) Theater, Oper, Tanz, Medien, wie auch von poetisch strukturierten Texten, die performativ eine Ästhetik der Stimme entwerfen.
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Das Lachen Don Giovannis.

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In dem 1983 in Paris erschienenen Roman Femmes von Philippe Sollers stellt im neunten, dem letzten, in Venedig spielenden Teil der Ich-Erzähler bei einer Aufführung des Don Giovanni, der er in den Kulissen beiwohnt, eine erstaunliche Parallele zu Mozart her, die ich hier vorstellen möchte:

Um ehrlich zu sein, diese Aufführung langweilt mich schon im voraus … Don Giovanni kenne ich auswendig … Die Probe hat mir gereicht … Ich halte mich in den Kulissen auf mit Louise … Wir sprechen leise in einer Ecke … Ich entwickle meine Gedanken zu Sade und Mozart …, ihre Parallele …1

Und nachdem der Erzähler die von Lorenzo Da Ponte erwähnte atmosphärische Analogie seines Don Giovanni-Librettos mit Dantes Inferno evoziert hat, fährt er fort:

Die Musik ist genau zeitgenössisch mit Juliette … Stell dir einmal vor … Die Oper spielt sich im Hintergrund ab … Zwischen den Arien hält alles an und mit lauter Stimme werden Textstellen von Sade gelesen …

Ich glaube, das würde alles erklären … Juliette oder die Blüten des Lasters. Libretto von Donatien Alphonse François de Sade, Musik von Wolfgang Amadeus Mozart … Was in damaliger Zeit undenkbar, warum es nicht heute verwirklichen? … Man hätte schon zehnmal daran denken müssen …2

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