Show Less
Restricted access

Die soufflierte Stimme: Text, Theater, Medien

Aufsätze 1979-2012

Series:

Helga Finter

Ist die Stimme nur Toninstrument für Sprache oder ist ihr Klang selbst signifikant? Wer spricht, was singt in einer Stimme? Welche Rolle spielt ihre Theatralisierung für Subjekt-, Körper- und Sprachkonzepte? Wie schafft Stimme Präsenz? Wie eine Signatur? Wie wird ein Ursprung der Stimme, wie Audiovision dramatisiert? Welchen Einfluss hat der Einsatz von Mikrofon, Lautsprecher, Sound-Design? Was bewirken Aufzeichnungstechnologien? Welche Rolle haben akusmatische Stimmen? Was kennzeichnet eine Ethik der Stimme, eine Stimm-Politik? Wie verhält sich die poetische zur Autorenstimme? Auf solche Fragen antwortet dieser Band mit Analysen der Praxis von (experimentellem) Theater, Oper, Tanz, Medien, wie auch von poetisch strukturierten Texten, die performativ eine Ästhetik der Stimme entwerfen.
Show Summary Details
Restricted access

Die Theatermaschine des heiligen Antonius

Extract

An der Universität Gießen hatten die Theaterwissenschaft und das Theater – schon lange ehe sie am Institut für Angewandte Theaterwissenschaft eine Heimstatt fanden – einen ganz besonderen Schutzpatron. Deshalb möchte ich meine Antrittsvorlesung1 dieser historischen Figur widmen, die mir zuvor als Theaterperson schon mehrfach im Zusammenhang mit dem Theater der Moderne und Postmoderne begegnet war und die mit dieser Universität so eng verbunden ist, dass ihr Attribut – das blaue Taukreuz – sogar zum Wappen dieser Universität erkoren wurde. Dieses Taukreuz ist in der Tat ein höchst theatrales Symbol. Für den Schöpfer des König Ubu, Alfred Jarry, war es sogar so spektakulär, dass er in seinem ersten Stück, dem Mysterienspiel César-Antéchrist von 1895, ein Taukreuz als dramatis persona auftreten ließ. Doch schon gut zwei Jahrzehnte zuvor war sein Träger selbst, der heilige Antonius, genannt der Große, Hauptperson eines Textes in dramatischer Form, in dem Gustave Flaubert die Versuchungen dieses Eremiten im Nordafrika des 4. Jahrhunderts zeigte. Dieser heilige Antonius, der durch das ehemalige Grünberger Antoniterhaus vermittelt, der Gießener Universität zuerst die wirtschaftliche Basis und seit 1736 das Wappen gab, wird durch Flaubert Mittelpunkt eines dramatischen Unternehmens, das noch jetzt eine Herausforderung an das Theater darstellt. Die Antrittsvorlesung sei so als Anlass genutzt, um das theatrale Schicksal des Schutzpatrons dieser Universität zu skizzieren.

La Tentation de saint Antoine2 (Die Versuchung des heiligen Antonius), an der Flaubert fast fünfundzwanzig Jahre lang – zwischen 1848...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.