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Die soufflierte Stimme: Text, Theater, Medien

Aufsätze 1979-2012

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Helga Finter

Ist die Stimme nur Toninstrument für Sprache oder ist ihr Klang selbst signifikant? Wer spricht, was singt in einer Stimme? Welche Rolle spielt ihre Theatralisierung für Subjekt-, Körper- und Sprachkonzepte? Wie schafft Stimme Präsenz? Wie eine Signatur? Wie wird ein Ursprung der Stimme, wie Audiovision dramatisiert? Welchen Einfluss hat der Einsatz von Mikrofon, Lautsprecher, Sound-Design? Was bewirken Aufzeichnungstechnologien? Welche Rolle haben akusmatische Stimmen? Was kennzeichnet eine Ethik der Stimme, eine Stimm-Politik? Wie verhält sich die poetische zur Autorenstimme? Auf solche Fragen antwortet dieser Band mit Analysen der Praxis von (experimentellem) Theater, Oper, Tanz, Medien, wie auch von poetisch strukturierten Texten, die performativ eine Ästhetik der Stimme entwerfen.
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Audiovision.

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Zur Dioptrik von Text, Bühne und Zuschauer

Das Theater ist doppelt. Ein Schauplatz entfaltet sich vor unseren Augen und zugleich in unseren Köpfen. Welcher ist der wahre, der wirkliche Schauplatz? Welcher ist das Theater? Gibt es nur einen? Muss man sich entscheiden? Oder geht es nicht vielmehr darum, die Beziehung zwischen beiden Schauplätzen zu untersuchen? Wäre dann das Theater nicht gerade der Zwischenbereich, der sich zwischen der konkreten Bühne und der Bühne im Kopf ausbildet?

Solche Fragen können gestellt werden, seit das Theater als Repräsentation problematisch geworden ist und somit die Szenen vor unseren Augen nicht mehr automatisch den Szenen gleichen, die sie im Kopf ausgelöst haben. Mit anderen Worten, das szenische Geschehen produziert Sinnpotentiale, die sich nur noch in einer Vielfalt von mentalen Einzelszenen auflösen lassen. Die Sinnenvielfalt korrespondiert nicht mehr mit dem aufgedrängten verbindlichen Sinn, dessen Anspruch, der ‚eine‘ Sinn zu sein, sich als Schwach-Sinn erweist. Schauspielerische Präsenz ist nicht mehr allein Garant von sinnvollem Handeln und Tun auf der Bühne. Die Sinnkonstruktion wird jedem einzelnen Zuschauer und Zuhörer überantwortet. Eine solche Infragestellung finden wir auf den europäischen Theatern seit den sechziger Jahren mit dem Performancetheater, das mit Namen wie Robert Wilson oder Richard Foreman verbunden ist.

Doch schon seit Ende des 19. Jahrhunderts problematisierten Theaterutopien von Schriftstellern die Re-Präsentation als Aufführung, Vorführung oder Wiederholung eines Textes, indem sie den Text selbst entgrenzten. Eine...

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