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Die soufflierte Stimme: Text, Theater, Medien

Aufsätze 1979-2012

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Helga Finter

Ist die Stimme nur Toninstrument für Sprache oder ist ihr Klang selbst signifikant? Wer spricht, was singt in einer Stimme? Welche Rolle spielt ihre Theatralisierung für Subjekt-, Körper- und Sprachkonzepte? Wie schafft Stimme Präsenz? Wie eine Signatur? Wie wird ein Ursprung der Stimme, wie Audiovision dramatisiert? Welchen Einfluss hat der Einsatz von Mikrofon, Lautsprecher, Sound-Design? Was bewirken Aufzeichnungstechnologien? Welche Rolle haben akusmatische Stimmen? Was kennzeichnet eine Ethik der Stimme, eine Stimm-Politik? Wie verhält sich die poetische zur Autorenstimme? Auf solche Fragen antwortet dieser Band mit Analysen der Praxis von (experimentellem) Theater, Oper, Tanz, Medien, wie auch von poetisch strukturierten Texten, die performativ eine Ästhetik der Stimme entwerfen.
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Theater als Lichtspiel des Unsichtbaren

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Was man nicht sagen kann, kann man vielleicht schon singen.

Heiner Müller 1970

… das Bühnenbild ein Reiseführer durch die Landschaften jenseits des Todes…

Heiner Müller an Erich Wonder 1986

„Aberwitzigen Eigensinn“ warf im Sommer 1994 der Kritiker Joachim Kaiser dem vom Bayreuther Premierenpublikum wiederum vehement ausgebuhten Regisseur Heiner Müller vor, weil seiner Inszenierung von Richard Wagners Tristan und Isolde vor allem im zweiten Akt das visuell gefehlt habe, was die Musik beschwöre und der Text behaupte.1 Man könnte ein solches Urteil als Sprachrohr der Konstanz eines Publikumsgeschmacks interpretieren, dem das von Wieland und Wolfgang Wagner ins Leben gerufene Neu-Bayreuth nichts hatte anhaben können. Klingt es doch wie das Echo einer Kritik von vor nunmehr dreißig Jahren, die aus Anlass von Wieland Wagners Tannhäuser-Inszenierung ebenfalls den Pleonasmus von Hör- und Seheindruck vermisste: So stellte 1964 Marcel Reich-Ranicki im ersten Akt in der Venusbergszene eine „außergewöhnliche Diskrepanz zwischen Musik und Bühne“ fest, und obgleich er sich dagegen verwahrte, Wagners Bühnenanweisungen treu befolgt zu sehen, war er dennoch der Meinung, dass „ein verlockender Sündenpfuhl hier doch nicht zu entbehren“ sei.2

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