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Die soufflierte Stimme: Text, Theater, Medien

Aufsätze 1979-2012

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Helga Finter

Ist die Stimme nur Toninstrument für Sprache oder ist ihr Klang selbst signifikant? Wer spricht, was singt in einer Stimme? Welche Rolle spielt ihre Theatralisierung für Subjekt-, Körper- und Sprachkonzepte? Wie schafft Stimme Präsenz? Wie eine Signatur? Wie wird ein Ursprung der Stimme, wie Audiovision dramatisiert? Welchen Einfluss hat der Einsatz von Mikrofon, Lautsprecher, Sound-Design? Was bewirken Aufzeichnungstechnologien? Welche Rolle haben akusmatische Stimmen? Was kennzeichnet eine Ethik der Stimme, eine Stimm-Politik? Wie verhält sich die poetische zur Autorenstimme? Auf solche Fragen antwortet dieser Band mit Analysen der Praxis von (experimentellem) Theater, Oper, Tanz, Medien, wie auch von poetisch strukturierten Texten, die performativ eine Ästhetik der Stimme entwerfen.
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Dioptrik des Körpers: Mit den Augen hören

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Die Epoche, die von den großen Schauspielern geprägt ist, ist auch diejenige, in der der Körper des Schauspielers dem Dramatiker zum Problem wird. Schriftsteller hinterfragen nun das Theater als Darstellung und erarbeiten so theatralische Utopien, in welchen gleichzeitig eine neue Konzeption des Subjekts und die Funktion der Bühne als Schrift im Raum in den Vordergrund treten. Alfred Jarrys Notizen zum Puppentheater drücken diese Gedanken äußerst treffend aus:

Nur die Puppen, deren Schöpfer und unumschränkter Herrscher man ist … übersetzen passiv und rudimentär das, was als Schema für die Genauigkeit steht: unsere Gedanken. Man angelt … nach ihren Gesten, die nicht an die Grenzen der gewöhnlichen Menschheit gebunden sind. Man befindet sich vor – oder besser noch – über dieser Tastatur wie über einer Schreibmaschine … und die Handlungen, die man den Puppen verleiht, kennen ebenfalls keine Grenzen.1

Die Bühne als übergroße Schreibmaschine, deren Eisendraht-Tastatur dem Schriftsteller-Regisseur seine Gedankengänge räumlich organisiert vor Augen führen würde: eine solche Theaterutopie wird Zukunft haben. Dieser Wunsch nach einer Schrift im Raum wird sich zuerst in einer neuen Idee vom Körper des Schauspielers niederschlagen. So wird der biomechanisierte, taylorisierte und verfremdete Schauspieler die Projekte eines neuen Theaters bevölkern – von Craig bis zu Meyerhold, von den Futuristen bis zu Brecht. Das Theater als Maschine im Dienste dieses neuen Gottes – Dramatiker und/oder Regisseur – wird sogleich die neuen Herren zum Träumen bringen. In den Dokumenten der verschiedenen Totalitarismen kann...

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