Show Less
Restricted access

Die soufflierte Stimme: Text, Theater, Medien

Aufsätze 1979-2012

Series:

Helga Finter

Ist die Stimme nur Toninstrument für Sprache oder ist ihr Klang selbst signifikant? Wer spricht, was singt in einer Stimme? Welche Rolle spielt ihre Theatralisierung für Subjekt-, Körper- und Sprachkonzepte? Wie schafft Stimme Präsenz? Wie eine Signatur? Wie wird ein Ursprung der Stimme, wie Audiovision dramatisiert? Welchen Einfluss hat der Einsatz von Mikrofon, Lautsprecher, Sound-Design? Was bewirken Aufzeichnungstechnologien? Welche Rolle haben akusmatische Stimmen? Was kennzeichnet eine Ethik der Stimme, eine Stimm-Politik? Wie verhält sich die poetische zur Autorenstimme? Auf solche Fragen antwortet dieser Band mit Analysen der Praxis von (experimentellem) Theater, Oper, Tanz, Medien, wie auch von poetisch strukturierten Texten, die performativ eine Ästhetik der Stimme entwerfen.
Show Summary Details
Restricted access

Cyberraum versus Theaterraum.

Extract

Zur Dramatisierung abwesender Körper

Die zweite Etappe von Jens Heitjohanns, Bodo Jentzsch’ und Steffen Popps interaktivem Performanceprojekt redirected-series konfrontierte im Herbst 2003 die Internet-Bühne mit der konkreten Szene des Margarete-Bieber-Saals der Justus-Liebig-Universität Gießen.1 An der Kopfseite des alten kunsthistorischen Hörsaals entrollte sich eine Performance, in welcher die Interaktion zwischen live-Performern und vom Internet in Echtzeit eingespeistem digitalem Bild (und gelegentlich auch Sound) im Zentrum stand. Das Verhältnis von Theater und Internet wurde so in Form eines Experiments erforscht, das die Beziehung von Internetbühne und konkreter Bühne vor einem anwesenden Publikum als ausgestellte subjektive Erfahrung mit dem Imaginären des Internets dramatisierte:

Auf der leeren Bühnenfläche vor den ansteigenden Zuschauerreihen saßen an einem Tisch zwei männliche – Philip Schulte und Wolfram Sander – und zwei weibliche Performer – Jules Buchholtz und Irina Nemecky –, die durch blonde Nylonperücken und eine orangefarbene Reißverschlussmontur im Hinblick auf Gender und soziale Herkunft entindividualisiert waren. Sie reagierten vier Stunden lang live mit ad hoc improvisierten Erzählungen auf ein aus dem Internet eingespeistes Bild- und Tonmaterial, das auf eine Leinwand hinter ihnen projiziert und über Lautsprecher an den Saalseiten übertragen wurde.

Theatrale Klammer von Cyberspace und Theaterraum war die Maske: Vier Avataren – Projektionsflächen für die von den Produzenten als netztypisch ausgemachten Themen Wissen, Therapie, Gewalt und Sex – korrespondierten die vier Performer, die als deren potentielle Repräsentanten auf der Bühne sich zu dem vom Internet gelieferten...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.