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Die soufflierte Stimme: Text, Theater, Medien

Aufsätze 1979-2012

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Helga Finter

Ist die Stimme nur Toninstrument für Sprache oder ist ihr Klang selbst signifikant? Wer spricht, was singt in einer Stimme? Welche Rolle spielt ihre Theatralisierung für Subjekt-, Körper- und Sprachkonzepte? Wie schafft Stimme Präsenz? Wie eine Signatur? Wie wird ein Ursprung der Stimme, wie Audiovision dramatisiert? Welchen Einfluss hat der Einsatz von Mikrofon, Lautsprecher, Sound-Design? Was bewirken Aufzeichnungstechnologien? Welche Rolle haben akusmatische Stimmen? Was kennzeichnet eine Ethik der Stimme, eine Stimm-Politik? Wie verhält sich die poetische zur Autorenstimme? Auf solche Fragen antwortet dieser Band mit Analysen der Praxis von (experimentellem) Theater, Oper, Tanz, Medien, wie auch von poetisch strukturierten Texten, die performativ eine Ästhetik der Stimme entwerfen.
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Der (leere) Raum zwischen Hören und Sehen.

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Überlegungen zu einem Theater ohne Schauspieler

Lange schien Theater ein Ort, an dem Hören und Sehen der Zuschauer sich verbinden können. Denn Theater war, wie es die griechische Wurzel für Theater und Theorie – theaomai – nahelegte, durch das Schauen sowohl des konkreten als auch des mentalen Auges eines theatés definiert. Dieses doppelte Schauen wurde auf der Bühne durch das vom Schauspieler artikulierte Wort ermöglicht; seine Stimme verband Hören und Sehen durch die Inkarnation oder Verkörperung eines Wortes, die seinen Ursprung mimte.

Doch seit geraumer Zeit öffnet das Theater einen Raum zwischen Hören und Sehen und stellt damit die Wahrnehmung des Zuschauers selbst in den Vordergrund. Hören und Sehen gehören psychogenetisch verschiedenen Wahrnehmungsordnungen an und bringen – folgt man der (post-)lacanschen Psychoanalyse – simultan drei Stadien der Ichbildung ins Spiel, die vom Haut- und Klang-Ich (Anzieu/Kristeva) über das Spiegel-Ich (Lacan) zu einem durch Verbalsprache symbolisierten Ich (Benveniste) führen.1 Beim Hören und Sehen des traditionellen Theaters werden die den drei Stadien der Identitätsbildung entsprechenden Räume – Klangraum der Chora, Bildraum der Spiegelphase und Sprachraum – unter der Ägide des Wortes zusammengeführt, um mit ihm zu verschmelzen. Diese Räume treten auseinander, wenn Inkarnation und Inkorporation des Wortes unter Verdacht stehen. Krise des Worts und Krise der Repräsentation wurden spätestens seit Artauds Experimenten akut. Theater suchte Antworten auf die Theatralisierung von Alltagsleben und Politik, wobei auch Medien wie der Film dazu beitrugen, ein automatisches Zusammenfallen...

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