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Die soufflierte Stimme: Text, Theater, Medien

Aufsätze 1979-2012

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Helga Finter

Ist die Stimme nur Toninstrument für Sprache oder ist ihr Klang selbst signifikant? Wer spricht, was singt in einer Stimme? Welche Rolle spielt ihre Theatralisierung für Subjekt-, Körper- und Sprachkonzepte? Wie schafft Stimme Präsenz? Wie eine Signatur? Wie wird ein Ursprung der Stimme, wie Audiovision dramatisiert? Welchen Einfluss hat der Einsatz von Mikrofon, Lautsprecher, Sound-Design? Was bewirken Aufzeichnungstechnologien? Welche Rolle haben akusmatische Stimmen? Was kennzeichnet eine Ethik der Stimme, eine Stimm-Politik? Wie verhält sich die poetische zur Autorenstimme? Auf solche Fragen antwortet dieser Band mit Analysen der Praxis von (experimentellem) Theater, Oper, Tanz, Medien, wie auch von poetisch strukturierten Texten, die performativ eine Ästhetik der Stimme entwerfen.
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Intervokalität auf der Bühne: Gestohlene Stimme(n), gestohlene(r) Körper

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Die Wissenschaften vom Text haben uns seit den sechziger Jahren daran gewöhnt, die Frage nach dem Ursprung des Textes zu relativieren, da sie diesen nun als Produkt von anderen Texten verstehen. Beim Lesen spricht so nicht mehr allein die Stimme eines Autors. Vielmehr aktualisiert der Leser, dank seines kulturellen und subjektiven Gedächtnisses, die Produktivität des Textes als Gewebe seiner Stimmen. Für die Analyse von Texten wird so das Konzept der Intertextualität zentral, das – ausgehend vom Werk Mikael Bachtins – zum ersten Mal Julia Kristeva 1966 in die Debatte warf: Intertextualität wurde zum Gegenkonzept zu der bis dahin das hermeneutische Textverständnis bestimmenden Intersubjektivität.1 In weiteren Aufsätzen zeigte sie die Signifikanz von Texten – ihre spezifische Produktivität – abhängig vom Horizont eines „immer schon Dagewesenen“ (toujours déjà là),2 das auf allen Ebenen der Artikulation aktiviert wird: Der intertextuelle Dialog lässt sich so als Auseinandersetzung mit einem semantischen, einem syntaktischen und grammatischen sowie einem pragmatischen Wahrscheinlichen (verosimile) auffächern.

Auch für das Theater galt sehr lange ein Ursprungsmythos: sowohl für den dramatischen Text, den die Inszenierung getreu in seinen Intentionen wiedergeben sollte, wie auch für sein Medium, die Stimme des Schauspielers, der die möglichst getreue Vermittlung zwischen textueller und visueller Repräsentation oblag. Die Verankerung der Stimme im Körper war die notwendige Prämisse, die seit dem 18. Jahrhundert – seit Rousseau und Herder – erlaubte, dass eine Stimme, die den Ursprung eines Textes mimt, diesen authentifizieren...

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