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Die soufflierte Stimme: Text, Theater, Medien

Aufsätze 1979-2012

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Helga Finter

Ist die Stimme nur Toninstrument für Sprache oder ist ihr Klang selbst signifikant? Wer spricht, was singt in einer Stimme? Welche Rolle spielt ihre Theatralisierung für Subjekt-, Körper- und Sprachkonzepte? Wie schafft Stimme Präsenz? Wie eine Signatur? Wie wird ein Ursprung der Stimme, wie Audiovision dramatisiert? Welchen Einfluss hat der Einsatz von Mikrofon, Lautsprecher, Sound-Design? Was bewirken Aufzeichnungstechnologien? Welche Rolle haben akusmatische Stimmen? Was kennzeichnet eine Ethik der Stimme, eine Stimm-Politik? Wie verhält sich die poetische zur Autorenstimme? Auf solche Fragen antwortet dieser Band mit Analysen der Praxis von (experimentellem) Theater, Oper, Tanz, Medien, wie auch von poetisch strukturierten Texten, die performativ eine Ästhetik der Stimme entwerfen.
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Komik des Sprachkörpers: Corneilles Le Menteur und die Komik des Verses

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Corneilles Le Menteur und die Komik des Verses

Das Lachen der Überlegenheit, das nach Charles Baudelaire vom „comique significatif“1 ausgelöst wird, und das mit Sigmund Freuds Witzanalyse,2 wie auch Henri Bergsons „plaqué du mécanique sur du vivant“3 sich als eine Form der Rückkehr des Verdrängten an der Repräsentation von mechanischen, nichtbeherrschten bzw. beherrschbaren Triebmechanismen entzündet, scheint mit der ältesten Form der Komik verbunden: Schon Aristoteles weist der Komödie das Nachahmen von schlechteren Menschen „als sie in der Wirklichkeit vorkommen“ im zweiten Kapitel seiner Poetik zu und impliziert damit zugleich eine Überlegenheit des Rezipienten. Das für die Gesellschaft schädliche Übermaß an Triebverhalten wird durch ein gemeinschaftliches Lachen geächtet, was Figaro in der letzten Komödie von Beaumarchais’ Trilogie in folgende Worte fasst: „On gagne assez dans les familles, quand on expulse un méchant.“4 – „In der Familie ist viel damit gewonnen, wenn man einen Bösewicht vor die Tür weist.“ Die Komödie ist somit seit ihren Anfängen als eine säkuläre Variante des von René Girard5 analysierten Sündenbockritus zu werten: Das gemeinschaftliche Lachen stellt über den Ausschluss des verlachten Objektes die erschütterte Werteordnung wieder her.

Die Moderne hatte mit Charles Baudelaire, Sigmund Freud und vor allem Georges Bataille6 nicht nur die psychische Ökonomie des lachenden Rezipienten als gespaltenes Subjekt ins Zentrum gerückt, sondern auch die Theorie des Komischen in weitere Typen des Lachens aufgefächert: Das...

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