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Die soufflierte Stimme: Text, Theater, Medien

Aufsätze 1979-2012

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Helga Finter

Ist die Stimme nur Toninstrument für Sprache oder ist ihr Klang selbst signifikant? Wer spricht, was singt in einer Stimme? Welche Rolle spielt ihre Theatralisierung für Subjekt-, Körper- und Sprachkonzepte? Wie schafft Stimme Präsenz? Wie eine Signatur? Wie wird ein Ursprung der Stimme, wie Audiovision dramatisiert? Welchen Einfluss hat der Einsatz von Mikrofon, Lautsprecher, Sound-Design? Was bewirken Aufzeichnungstechnologien? Welche Rolle haben akusmatische Stimmen? Was kennzeichnet eine Ethik der Stimme, eine Stimm-Politik? Wie verhält sich die poetische zur Autorenstimme? Auf solche Fragen antwortet dieser Band mit Analysen der Praxis von (experimentellem) Theater, Oper, Tanz, Medien, wie auch von poetisch strukturierten Texten, die performativ eine Ästhetik der Stimme entwerfen.
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Menschwerden.

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Inszenierungen des Heterogenen in Grübers Bakchen

Das Heterogene wird, wie Georges Bataille gezeigt hat, allein in wenigen extremen, auf Verausgabung abzielenden gesellschaftlichen und singulären Praktiken manifest: Neben dem Krieg und dem Fest sind dies die Erotik, die Ekstase und das Lachen.1 Sie konfrontieren direkt mit dem Unmöglichen, mit dem Tod. Doch darüber hinaus entwickeln auch Institutionen wie Religion, Literatur und Dichtung oder die Künste Strategien, das Heterogene durch Dramatisierungen zu projizieren, um es im Zwischenraum der Riten, der Texte, Diskurse und Bilder aufscheinen zu lassen.

Während Ritus und Mythos das Heterogene in Äquivalenten eines Sakralen gesellschaftlich zu fixieren suchen, dramatisieren Dichtung und Künste das Heterogene performativ und stellen vor allem das Heterogene des Subjekts ins Zentrum. Insbesondere das abendländische Theater thematisiert seit den Anfängen seine religiöse Vorgeschichte als eine Totenfeier, ein Totenritual. Mit den Gesängen des Chors bei den einleitenden dionysischen Umzügen wird der Statue des Gottes Leben eingehaucht, um sodann auf der Bühne die Animation des toten Helden in der Maske des Schauspielers zu ermöglichen. Theaomai, die Wurzel von theatron und theoría, bedeutet nicht nur, mit dem konkreten und geistigen Auge schauen, sondern beinhaltet auch eine Bewegung des Vorbeiziehens, die auf die prä-theatralen Ursprünge des Theaters verweist. Das französische théorie, vom griechischen theoría abgeleitet, bezeichnet noch heute ein Truppendéfilée.

Die Animation des toten Helden oder des Gottes steht am Anfang des...

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