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Die soufflierte Stimme: Text, Theater, Medien

Aufsätze 1979-2012

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Helga Finter

Ist die Stimme nur Toninstrument für Sprache oder ist ihr Klang selbst signifikant? Wer spricht, was singt in einer Stimme? Welche Rolle spielt ihre Theatralisierung für Subjekt-, Körper- und Sprachkonzepte? Wie schafft Stimme Präsenz? Wie eine Signatur? Wie wird ein Ursprung der Stimme, wie Audiovision dramatisiert? Welchen Einfluss hat der Einsatz von Mikrofon, Lautsprecher, Sound-Design? Was bewirken Aufzeichnungstechnologien? Welche Rolle haben akusmatische Stimmen? Was kennzeichnet eine Ethik der Stimme, eine Stimm-Politik? Wie verhält sich die poetische zur Autorenstimme? Auf solche Fragen antwortet dieser Band mit Analysen der Praxis von (experimentellem) Theater, Oper, Tanz, Medien, wie auch von poetisch strukturierten Texten, die performativ eine Ästhetik der Stimme entwerfen.
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Mit den Ohren sprechen: Heiner Müller liest

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Ich lese was ich vor drei, fünf, zwanzig Jahren geschrieben habe wie den Text eines toten Autors aus einer Zeit, als ein Tod noch in einen Vers paßte.

Heiner Müller, „Projektion 1975“1

Die Frage nach der sinnlichen (Informationen überschreitenden) Qualität von Sprache ist politisch.

Heiner Müller zu Prometheus2

Lesen wie Hören ist immer durch jeweilige Lese- und Hörkontexte beeinflusst, so auch meine erste Konfrontation mit Heiner Müller als Leser seiner Texte. Sie fand im Februar 1983 im Heidelberger Kunstverein statt, wo ich zum ersten Mal Heiner Müller eigene Texte sprechen hörte, darunter Ausschnitte aus dem Medea-Material. Die Hörerfahrung von Müllers lautem Lesen stand im krassen Gegensatz zur eigenen bisherigen Lektüre von Müller-Texten, welche vor allem seine Hamletmaschine bestimmt hatte. Ihre erste Fassung, im Dezember 1977 in Theater heute auf der Gegenseite der Übersetzung von Antonin Artauds Jet de sang (Der Blutstrahl)3 abgedruckt, hatte für sie eine Kontextualisierung vorgegeben, die nahelegte, Müllers Texte als späten deutschen Versuch zu lesen, der an die surrealistische Bildlichkeit des frühen Artaud anknüpfte.

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