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Die soufflierte Stimme: Text, Theater, Medien

Aufsätze 1979-2012

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Helga Finter

Ist die Stimme nur Toninstrument für Sprache oder ist ihr Klang selbst signifikant? Wer spricht, was singt in einer Stimme? Welche Rolle spielt ihre Theatralisierung für Subjekt-, Körper- und Sprachkonzepte? Wie schafft Stimme Präsenz? Wie eine Signatur? Wie wird ein Ursprung der Stimme, wie Audiovision dramatisiert? Welchen Einfluss hat der Einsatz von Mikrofon, Lautsprecher, Sound-Design? Was bewirken Aufzeichnungstechnologien? Welche Rolle haben akusmatische Stimmen? Was kennzeichnet eine Ethik der Stimme, eine Stimm-Politik? Wie verhält sich die poetische zur Autorenstimme? Auf solche Fragen antwortet dieser Band mit Analysen der Praxis von (experimentellem) Theater, Oper, Tanz, Medien, wie auch von poetisch strukturierten Texten, die performativ eine Ästhetik der Stimme entwerfen.
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Unmögliche Räume.

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Die Stimme als Objekt in Becketts (spätem) Theater

Der Zuschauer blickt vom Rang aus auf eine dunkle Bühne, aus der langsam ein Kopf mit wirren weißen, ausgebreiteten Haaren aus dem Dunkel auftaucht, ziemlich weit oben über dem Bühnenboden. Nur die obere Hälfte des alten, weißgeschminkten Gesichts ist beleuchtet, die Augen sind geöffnet, man hört lautes Atmen. Eine Stimme erklingt, zuerst von links, dann von rechts, dann über der Figur, die auf der dunklen Bühne zu liegen scheint. Wer den Schauspieler David Warrilow kennt, weiß, dass aus den drei Lautsprechern seine Stimme ertönt. Spricht er selbst oder ist seine Stimme aufgezeichnet? Dies ist für den Zuschauer nicht zu entscheiden, da sein Mund nicht sichtbar ist. Zweimal wird der Stimmfluss unterbrochen, die während des Sprechens geschlossenen Augen öffnen sich, ein Atemgeräusch wird hörbar. Am Ende wird dieses Geräusch wiederholt, die Augen öffnen sich wieder, das Gesicht ist nun ganz beleuchtet, ein Lächeln ist zu sehen. Dann wieder ein Black, alles verschwindet im Dunkel.

An diese 1981 in Paris während des Festival d’Automne im Théâtre Gérard Philippe in Saint Denis gezeigte Inszenierung von Samuel Becketts That Time wurde ich erinnert, als ich 2002 beim Festival d’Avignon Denis Marleaus Aufführung von Maurice Maeterlincks Les Aveugles sah. Wieder ein dunkler Saal und eine schwarze Bühne, aus der sich langsam zwölf Köpfe konturierten, die den Text live zu sprechen...

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