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Die soufflierte Stimme: Text, Theater, Medien

Aufsätze 1979-2012

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Helga Finter

Ist die Stimme nur Toninstrument für Sprache oder ist ihr Klang selbst signifikant? Wer spricht, was singt in einer Stimme? Welche Rolle spielt ihre Theatralisierung für Subjekt-, Körper- und Sprachkonzepte? Wie schafft Stimme Präsenz? Wie eine Signatur? Wie wird ein Ursprung der Stimme, wie Audiovision dramatisiert? Welchen Einfluss hat der Einsatz von Mikrofon, Lautsprecher, Sound-Design? Was bewirken Aufzeichnungstechnologien? Welche Rolle haben akusmatische Stimmen? Was kennzeichnet eine Ethik der Stimme, eine Stimm-Politik? Wie verhält sich die poetische zur Autorenstimme? Auf solche Fragen antwortet dieser Band mit Analysen der Praxis von (experimentellem) Theater, Oper, Tanz, Medien, wie auch von poetisch strukturierten Texten, die performativ eine Ästhetik der Stimme entwerfen.
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Einsatz des Dramas, Einsatz der Stimme im Theater der italienischen Renaissance

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Anfänge sind Einschnitte, Schnittstellen, Anfänge werden gesetzt. Ihr metaphysischer Horizont ist die Geste jener großen Schöpfungserzählung, die immer noch auf unser Erzählen ausstrahlt: Bereschit. Geschichten erhalten einen Anfang und ein Ende durch Einschnitte in ein zeitliches Kontinuum. Nach Aristoteles sind auch Dramen durch Anfang und Ende, jedoch einer Handlung, gekennzeichnet.1 Dramen sind auch, falls nicht ausdrücklich als Lesedramen konzipiert, für Aufführungen bestimmt. Oft ist der Dramentext, dessen Aufführungspraxis die Theaterwissenschaft zu rekonstruieren sucht, das einzige Dokument, das vom Theater verblieben ist. Für sie wird der Dramentext erst im Kontext der Aufführungsbedingungen signifikant; erst der Aufführungsrahmen kann Aufschlüsse über Funktionen von Dramenanfängen geben.

In der Tat hat mit dem Beginn der Neuzeit auch das Einsetzen der Dramen sich verändert, sowohl im Hinblick auf das geistliche Theater des Mittelalters wie auch auf das antike Theater. An ihm kann deutlich werden, dass der Einschnitt, den die Renaissance behauptet, nicht einfach ein Wiederanknüpfen an die antike Theaterpraxis darstellt, sondern sich vielmehr der Säkularisierung von Aspekten religiöser Aufführungspraktiken verdankt, die in ihr nachwirken.

Ein Blick auf die Aufführungspraxis des italienischen Cinquecento, die als théâtre à l’italienne lange Modell des europäischen Theaters war und vielen heute für überwunden gilt, soll zeigen, wie dort verschiedenste Medien den Einsatz einer Aufführung bestimmen: Medien sind dabei inter-media im wahrsten Sinne, da sie ein Dazwischen von Aufführung und Nicht-Aufführung, von...

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