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Keine Kritische Theorie ohne Leo Löwenthal

Die Zeitschrift für Sozialforschung (1932-1941/42)- Mit einem Vorwort von Peter-Erwin Jansen

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Gregor-Sönke Schneider

Die Studie, im Sinne der Intellectual History angelegt, rekonstruiert und dokumentiert den originären wie konzeptionellen Beitrag Leo Löwenthals zur frühen Kritischen Theorie, wie sie in den 1930er Jahren von den engsten Mitarbeitern des Instituts für Sozialforschung – Max Horkheimer, Theodor W. Adorno, Herbert Marcuse, Erich Fromm, Friedrich Pollock und Walter Benjamin – entwickelt und in der Zeitschrift für Sozialforschung publiziert wurde. Als verantwortlicher Schriftleiter der Zeitschrift sicherte Löwenthal dem hier gebotenen Forum für kritische Sozialforschung den Fortbestand auch in politisch schwierigen Zeiten. Diese besondere Rolle Löwenthals schmälert nicht die Bedeutung seiner theoretischen Beiträge zur Zeitschrift für Sozialforschung, stehen sie doch in enger inhaltlicher Beziehung zu den Arbeiten der anderen Institutsmitglieder und waren wie diese für die Entwicklung der Kritischen Theorie unentbehrlich.
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4 Analysen zur bürgerlichen Gesellschaft

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4Analysen zur bürgerlichen Gesellschaft

4.1Individuum & Ideologie

4.1.1Einleitung

In den Aufsätzen Die biographische Mode, der Ende der 1930er Jahre für die Zeitschrift geschrieben wurde, aber nie in ihr veröffentlicht werden sollte400, und Das Individuum in der individualistischen Gesellschaft. Bemerkungen über Ibsen von 1936 analysiert Löwenthal die Zerstörung des Individuums und dessen ideologische Verschleierung in der bürgerlichen Gesellschaft. Dabei stehen die beiden Arbeiten in einem diametralen Verhältnis zueinander. Während der Aufsatz über die deutschen Biographien Löwenthals erster Beitrag zur Kritik der Massenkultur – oder wie es einige Jahre später bei Horkheimer und Adorno heißt: Kulturindustrie – darstellt, indem die Zerstörung und Ideologie des Individuums anhand dieser Form der Populärliteratur entlarvt wird, fällt die spätere Arbeit in den Bereich der materialistischen Kunsttheorie, wenn er in den Arbeiten Ibsens dessen Formulierung und Kritik des liquidierten Individuums aufdeckt. Die Biographien besitzen ideologischen Charakter, weil sie eine Indivi ← 107 | 108 → dualität vorgaukeln, die es objektiv in der bürgerlichen Gesellschaft nicht mehr gibt. Ibsens Arbeiten hingegen weisen ideologiekritische Tendenzen auf, weil in ihnen die Negation des Individuums ausgesprochen ist, ohne diese zu verschleiern. Die Analysen und Ergebnisse beider Aufsätze Löwenthals korrespondieren mit den Erkenntnissen der anderen Arbeiten aus dem engeren Kreis um Horkheimer.

Wenn Löwenthal in seinen schlicht benannten Bemerkungen über Ibsen dessen Darstellung der Auswirkungen des vom Individuum absorbierten Konkurrenzprinzips freilegt, so gibt er damit ein ästhetisches Beispiel,...

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