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SEHEN – Mehr als eine Selbstverständlichkeit?

Chancen und Grenzen durch den Einsatz neuer Medien in Studium, Lehre und Forschung

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Helen Zimmermann

Studieren, Lehren und Forschen basieren heute weitgehend auf dem Einsatz neuer Medien. Dabei werden das Sehen und das Klicken mit der Maus als Selbstverständlichkeit vorausgesetzt. Man nimmt an, dass alle in normaler Schrift Dokumente lesen können. Wie können aber Menschen mit visueller Beeinträchtigung bei den stark auf Visualisierung ausgerichteten Lernprozessen wirklich partizipieren? Das Ziel der Arbeit ist es, Einblicke in komplexe Barrieren in der visuellen Bildungslandschaft zu geben. Der Fokus liegt auf Interaktionsprozessen zwischen sehenden und nicht (gut) sehenden Lernenden. Wichtige Sachaspekte werden vermittelt und didaktische Elemente reflektiert. Im Rahmen einer Aktionsforschung werden am Beispiel der Universität Zürich mögliche Lösungswege aufgezeigt.
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1. Begegnungen

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1.1 Der Blinde an der Mauer

Ohne Hoffnung, ohne Trauer Hält er seinen Kopf gesenkt. Müde hockt er auf der Mauer. Müde sitzt er da und denkt: Wunder werden nicht geschehen. Alles bleibt so, wie es war. Wer nichts sieht, wird nicht gesehen. Wer nichts sieht, ist unsichtbar. Schritte kommen, Schritte gehen. Was das wohl für Menschen sind? Warum bleibt denn niemand stehen? Ich bin blind, und ihr seid blind. Euer Herz schickt keine Grüsse aus der Seele ins Gesicht. Hörte ich nicht eure Füsse, dächte ich, es gibt euch nicht. Tretet näher! Lasst euch nieder, bis ihr ahnt was Blindheit ist. Senkt den Kopf, und senkt die Lieder, bis ihr, was euch fremd war, wisst. Und nun geht! Ihr habt ja Eile! Tut, als wäre nichts geschehen. Aber merkt euch diese Zeile: „Wer nichts sieht, wird nicht gesehen.“ (Erich Kästner, Lyrische Hausapotheke)

Erich Kästner beschreibt im obigen Gedicht als Monolog humorvoll, eindrücklich, ironisch und doch treffend das äussere Bild eines blinden Mannes, der sich eigentlich einen Dialog mit dem sehenden Umfeld wünschen würde, aber resigniert zu sein scheint. Auch heute stehen sehende und nicht-(gut)sehende Menschen in der so visuellen Welt leider noch zu oft vor dicken Mauern und verschlossenen Barrieren. Da die Welt der Sehenden von der Welt der Blinden immer wieder neu getrennt wird, ist es enorm schwierig, dass zwischen den beiden scheinbar unterschiedlichen Welten...

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