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SEHEN – Mehr als eine Selbstverständlichkeit?

Chancen und Grenzen durch den Einsatz neuer Medien in Studium, Lehre und Forschung

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Helen Zimmermann

Studieren, Lehren und Forschen basieren heute weitgehend auf dem Einsatz neuer Medien. Dabei werden das Sehen und das Klicken mit der Maus als Selbstverständlichkeit vorausgesetzt. Man nimmt an, dass alle in normaler Schrift Dokumente lesen können. Wie können aber Menschen mit visueller Beeinträchtigung bei den stark auf Visualisierung ausgerichteten Lernprozessen wirklich partizipieren? Das Ziel der Arbeit ist es, Einblicke in komplexe Barrieren in der visuellen Bildungslandschaft zu geben. Der Fokus liegt auf Interaktionsprozessen zwischen sehenden und nicht (gut) sehenden Lernenden. Wichtige Sachaspekte werden vermittelt und didaktische Elemente reflektiert. Im Rahmen einer Aktionsforschung werden am Beispiel der Universität Zürich mögliche Lösungswege aufgezeigt.
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5. Komplexe Barrieren erkennen

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5.1 Verständnis von Barrieren

Im allgemeinen Sprachgebrauch ist Barriere meist das Synonym für ein Hindernis, das ein Individuum, eine Gruppe, eine Organisation, oder auch eine ganze Gesellschaft am Erreichen eines bestimmten Ziels hindert. WELTI (2005) leitet den Begriff „Barriere“ etymologisch aus dem Französischen her und übersetzt ihn mit einem „feststehenden Hindernis“. Genauer gesagt, sind Barrieren bei WELTI (ebd.) Behinderungen oder Probleme, die auf Umwelt-und Kontextfaktoren zurückzuführen sind.

Eine Barriere kann eine hohe Bergkette sein oder aus einer dicken unsichtbaren Mauer bestehen. Für Menschen mit Behinderung genügen oft schon kleine heimtückische Stolpersteine, dass ein Zugang zu wichtigen Lebensbereichen erschwert oder gar verwehrt bleibt. Auf den ersten Blick sind Barrieren einfach zu oder offen. Bildlich gesehen bedeutet dies, dass eine offene Barriere den Zugang erlaubt. Eine geschlossene Barriere jegliche Zugangsversuche verunmöglicht. Wenn bei starkem Schneefall ein Skigebiet, in dem es verschiedene Arten von unstabilen Schneedecken gibt, wegen Lawinengefahr abgesperrt bleibt, ist die Dringlichkeit dieser Barriere offensichtlich. Eine solche Barriere zu missachten, ist immer verantwortungslos. Wenn es aber darum geht, dass Bildungswege und danach ein Einstieg ins Berufsleben für Menschen mit (visueller) Behinderung durch sichtbare und unsichtbare Barrieren versperrt sind, ist die Situation auf eine andere Art verantwortungslos. In diesem Fall braucht es dringend eine möglichst ganzheitliche Analyse der wirklichen Barrieren. Das folgende Beispiel zeigt, wie im Bildungsbereich Barrieren sehr stark mit der Sichtweise von Behinderung zusammenhängen:

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