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Der Aufruf «An die Kulturwelt!»

Das Manifest der 93 und die Anfänge der Kriegspropaganda im Ersten Weltkrieg- 2., erweiterte Auflage mit einem Beitrag von Trude Maurer

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Jürgen von Ungern-Sternberg and Wolfgang von Ungern-Sternberg

Am 4. Oktober 1914 wurde der von 93 führenden Repräsentanten der deutschen Kunst und Wissenschaft unterzeichnete Aufruf «An die Kulturwelt!» veröffentlicht. Er ist sogleich ein Schlüsseldokument geworden, das bis heute jede Untersuchung des «Kriegs der Geister» im Ersten Weltkrieg entscheidend mit prägt. Diese Studie erhellt in einem ersten Teil ebenso seine Entstehung wie die Motive seiner Verfasser und behandelt dann die spätere Auseinandersetzung mit ihm im In- und Ausland während des Krieges und unmittelbar danach. In einem zweiten Teil wird neues Licht auf die Organisation der deutschen Propaganda im Herbst 1914 geworfen. Die ergänzte Neuauflage wird durch die Darstellung der Rezeption des Aufrufs in Russland durch Trude Maurer in einem bisher unbekannten Aspekt wesentlich bereichert.
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II. Anfänge amtlicher Propagandaorganisation im Herbst 1914

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II.Anfänge amtlicher Propagandaorganisation im Herbst 1914

Fraternas acies alternaque regna profanis decertata odiis sontesque evolvere Thebas, Pierius menti calor incidit.

(Statius, Thebais)

Wesen und Dimensionen des modernen Krieges waren zu Beginn des Ersten Weltkriegs weder den Völkern1 noch den Politikern, Behörden oder Militärs hinreichend klar. Dies gilt auch für den Bereich der öffentlichen Meinung, wo man vor allem für die Zensur Sorge trug, darüber hinaus allenfalls im eigenen Lande einen ‚Burgfrieden‘2, eine ‚Union sacrée‘3 herzustellen bestrebt war, über die Grenzen aber nicht hinausdachte. Innerhalb weniger Tage indes rückte die Bedeutung der neutral gebliebenen Staaten ins Bewußtsein, deren moralischer und materieller Unterstützung man dringend bedurfte, die man teilweise zudem ins eigene Lager zu ziehen hoffte. Improvisierte, fieberhafte Aktivitäten galten den skandinavischen Staaten, den Niederlanden, der Schweiz, Spanien und Portugal, den lateinamerikanischen Staaten, den USA ebenso wie den möglichen Partnern Italien, Griechenland, Bulgarien und der Türkei. ← 127 | 128 →

Dabei glaubten beide Seiten den jeweiligen Gegner im Vorsprung aufgrund langfristiger Vorbereitung.4 In Wahrheit aber steckte die Organisation der Propagandatätigkeit noch allseits in bescheidenen Anfängen. Diejenigen in Deutschland sind bislang nur sehr summarisch und unzureichend erforscht worden. Lange Zeit hat man sich hier lieber der Darstellung der feindlichen Propaganda, insbesondere der englischen und französischen, gewidmet.5 Vergleichende Untersuchungen auf diesem Gebiet sind, wie zu den meisten anderen Problemen des Ersten Weltkriegs – angefangen von seiner Vorgeschichte! –, bis heute erst...

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